Germanenhaus

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Germanenhaus am Nikolausberg

Das Germanenhaus ist ein Baudenkmal im Stadtbezirk Steinbachtal.

Standort[Bearbeiten]

Das Gebäude steht in der Nikolausstraße 21 am Beginn des Stationsweges zum Käppele.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1872 hatte der Ökonom und Wirt Kaspar Pickel zu Beginn des Stationenwegs zum Käppele ein relativ einfaches, zweistöckiges, unterkellertes Gebäude, die Nikolausburg oder auch Johannesburg, errichtet. Die nahezu schmucklose Fassade zur Stadt hin wurde lediglich von einem leicht vorstehenden Mittelrisalit [1] mit einem aufgesetzten Spitzgiebelfrontispiz [2] unterbrochen. In einem Gastraum und auf einer überdachten Terrasse über einem Keller wurden die Wallfahrer des Gnadenbildes im Käppele verköstigt und einige Zimmer konnten an Gäste vermietet werden.

Nach Kaspar Pickel wechselten die Besitzer in rascher Folge. 1890 ließ der neue Eigentümer Adam Steigerwald unterm Dach eine Wohnung einrichten. Der auf ihm folgende Besitzer war der Ökonom und Gastwirt Benno Böhm, der durch einen umfangreichen Umbau die Gaststätte attraktiver gestalten wollte. Nachdem Böhm 1895/1896 die Pläne vorgelegt hatte, wurden seitliche Anbauten vorgenommen und die Terrasse aufgestockt. Den Blickfang bildete ein spitzgiebeliges Fachwerktürmchen auf der Terrasse.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Nikolausburg zu einer beliebten Wallfahrergaststätte und einem Ausflugsziel für die Würzburger Bürger. Aber auch von den Würzburger Studentenverbindungen wurde sie genutzt. Schon bald nach ihrem Umbau von 1895 wurde sie zum Kneiplokal der Markomannia.

Eckert-Plan für das Germanenhaus vom April 1915 (Ansicht Stadtseite)
Eckert-Plan für das Germanenhaus vom September 1927 (Ansicht Stadtseite)
Germanenhaus zwischen 1928 und 1937
Germanenhaus mit den Ludwigsterrassen zwischen 1928 und 1937

1914 erwarb die Burschenschaft Germania zu Würzburg, eine der zu diesem Zeitpunkt mitgliederstärksten Würzburger Burschenschaften, die stark renovierungsbedürftige Gaststätte Nikolausburg. Mit dem Kauf wurden sogleich Pläne für einen Umbau in Angriff genommen und der Würzburger Architekt Anton Josef Eckert damit beauftragt. Bereits vor Beginn der Planungen war eine Umbenennung in „Germanenheim“ beabsichtigt. Eckert zeichnete die ersten Pläne im April 1915; das Baugesuch wurde Anfang Mai gestellt. Aufgrund des steil abfallenden Geländes zur Stadt und der Straße auf der anderen Seite des Gebäudes, war kaum Platz für eine Erweiterung der Gebäudetiefe. Da die Grundmauern der alten Nikolausburg eine beachtliche Größe hatten und die Keller stabil waren, konnten Grund- und ein Teil der Außenmauern der Vorgängergebäude Verwendung finden. Die Eingriffe waren dennoch gravierend. Die Hauptgebäude sollten entkernt werden, im Erdgeschoss waren Empfangsraum und Bibliothek vorgesehen und ein fester Umbau der Gartenschänke als auch ein Anbau sorgten für Fest- und Kneipsaal. Durch eine Aufstockung der Gebäudeflügel sollten die Dachhöhen angeglichen werden.

Durch Einwände der Behörden gegen Teile des Baus traten zunächst Verzögerungen ein. Da die Stadt eine Verbreiterung der Nikolausstraße plante, wurde ein von Eckert geplanter schmaler Vorbau vor dem Aufgang am Mittelrisalit in der Nikolausstraße abgelehnt und auch ein Eckerker mit Turmaufbau störte nach Meinung des Magistrats das Gesamtbild. Zwar wurden im September 1915 geänderte Pläne eingereicht, die Bauangelegenheit zog sich aber weiter hin, da die Germanen und Stadt sich um die Anteile an den Straßenbaukosten nicht einigen konnten. Letztendlich verhinderte aber der Erste Weltkrieg die weiteren Ausführungen, da ein Großteil der Germanen-Mitglieder an den verschiedenen Kriegsschauplätzen im Einsatz waren und das Burschenschaftsleben größtenteils danieder lag.

Auch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wurde der Umbau der alten Nikolausburg nicht wieder sofort aufgenommen. Durch die Inflation war die Baukasse der Germanen praktisch auf Null gefallen und Spendenaufrufe bei den Mitgliedern im März 1925 erbrachten nicht das erhoffte Kapital; das Misstrauen gegen die Sicherheit der neuen Währung saß wohl noch zu tief. Die Germanen wollten aber ihr 85. Stiftungsfest 1927 unbedingt im neuen Haus feiern. Also drängte die Zeit und man beschloss, den Mitgliedern einen nach Einkommen gestaffelten Zwangsbeitrag abzuverlangen. Da diese Zahlungspflicht von vielen schlichtweg ignoriert wurde, stand das Projekt Ende 1925 vor dem Scheitern. Als letzten Rettungsversuch wurde dem Bauausschuss der Germanen nahegelegt, einem anderen Architekten den Auftrag zu einer kostengünstigeren Umplanung zu erteilen. Da die Zahlungen jedoch auch weiterhin nur zögernd eingingen, musste der Baubeginn abermals aufgeschoben werden und man wollte nach dem Stiftungsfest im Herbst 1927 beginnen.

Anton Eckert schien damit aus dem Rennen zu sein, allerdings hatte auch er nach Einsparpotential gesucht. Da auf den Eckturm neben der Kneipe aufgrund der behördlichen Auflagen verzichtet werden musste und auch der teure Bau der Terrasse aufgeschoben werden konnte, belief sich sein Kostenvoranschlag nur auf 80.000 Reichsmark, lag also trotzdem noch knapp 20.000 Reichsmark über dem seines Konkurrenten. Den Ausschlag gab ein zusätzlich hinzugezogener Frankfurter Architekt, der nach eingehender Ortsbesichtigung und Prüfung der Pläne und Kostenrechnungen Eckerts eine solide Planung bestätigte und die Kosten als „Höchstanschläge“ bezeichnete.

Damit erhielt Eckert den offiziellen Auftrag und blieb nicht nur der verantwortliche Architekt, sondern übernahm auch die Bauleitung. Im September 1927 reichte er neue Pläne ein und die Bauarbeiten konnten beginnen. Gegen Ende 1927 waren die Arbeiten schon soweit fortgeschritten, das die künftige Gestalt erkannt werden konnte. Pünktlich zum 16. Juli 1928, zum 86. Bundesfest der Germanen, meldete Eckert offiziell bei der Stadt die Fertigstellung. Im Sommer 1928 bezogen die Germanen ihr neues Heim.

Nach dem Wiederaufbau des von Brandbomben getroffenen Baus beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 in den Jahren von 1951 bis 1956 zeigt das Germanenhaus heute im Äußeren ein fast unverändertes Bild des Eckert'schen Baus.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Corpshaus, langgestrecker zweigeschossiger Mansardwalmdachbau mit seitlichen eingeschossigen Walm-, bzw. Mansardwalmdachanbauten, Putzfassade mit Sandsteinrahmungen über unverputztem Kalksteinsockel, Anton Eckert, neobarock, 1928.

Interieur[Bearbeiten]

Das stattliche Gebäude verfügt über einen eigenen Ballsaal, ein großes Foyer, das sogenannte Pfälzer Zimmer, einen neu restaurierten Kneipsaal und in den oberen Stockwerken eine eigene Bibliothek, Computerzimmer und mehrere Zimmer für die studierenden Mitglieder.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Erläuterungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Risalit (von ital. risalire, wieder hervorspringen), ein aus dem gesamten Bauwerk hervortretender Baukörper oder Architekturteil, der aus der Linie des Gesamten hervortritt. In der Barockzeit gerne zur Fassadengliederung von Palästen und in der einfachsten Form auch zur Gliederung von einfachen Häusern verwendet.
  2. Ein Giebel über einem Mittelrisalit, einem hervorspringenden Gebäudeteil, wird auch als Frontispiz bezeichnet.
  3. Die Ludwigsterrassen wurden 1922 eröffnet und bis 1937 unter diesem Namen geführt.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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