Bocksbeutel

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Bocksbeutel vom Weingut Bürgerspital
Bocksbeuteldarstellung am Stein-Wein-Pfad

Der Bocksbeutel ist ein für Wein aus Franken typisches Hohlraumgefäß aus Glas.

Geschichte[Bearbeiten]

Der älteste Urahn des Bocksbeutels, das heißt die früheste bekannte Flachkugelflasche, ein keltisches Tongefäß um 1400 v. Chr. wurde auf fränkischem Boden bei Wenigumstadt (Ortsteil von Großostheim, Landkreis Aschaffenburg) gefunden und ist im Mainfränkischen Museum in Würzburg zu sehen.

Von jenem Urbocksbeutel, der seine typische flachgequetschte Form dem Bedürfnis der Alten verdankt, eine bequeme Trageflasche als Trinkgefäß außerhalb des Hauses zu schaffen, wozu die dickbauchige Vollkugelflasche zu unbequem war, spannt sich ein weiter Bogen über vielerlei Abwandlungen und Materialien - Gas, Holz, Zinn, Kupfer, Leder - bis zum klassischen modernen Glasbocksbeutel.

Die populäre, auch in luxuriösen Ausführungen hergestellte Trinkflasche, die Bauern und Winzern, aber auch den römischen Legionären als „Feldflasche“ diente und allgemein als Reise- (Pilger-) Flasche, auch als Jagdflasche usw. Verwendung fand, erlebte im Mittelalter eine nachhaltige Renaissance und erfreute sich in vielen europäischen Ländern, und vor allem auch im Orient, als Trinkflasche großer Beliebtheit. Die Pilgerflasche trat erst mit dem Überhandnehmen der im 15. Jahrhundert aufgekommenen gläsernen Weinflasche, der „Bouteille“, allmählich in den Hintergrund.

Es war die flachgedrückte Bouteille - ein Schritt, näher zum heutigen Glasbocksbeutel, der, ein wesentlicher Faktor für seine Entwicklung, sich in der Folgezeit vom Trinkgefäß zum Abfüllgefäß für Wein wandelte. Allgemein hat sich die Glasflasche im 18. Jahrhundert allmählich als Massenprodukt für die Weinabfüllungen durchgesetzt. Es dauerte allerdings bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, ehe sie auf Grund der Vorzüge des Glasmaterials als Lagergefäß auf breiter Ebene in Gebrauch kam.

Bocksbeutel und Frankenwein[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Darstellung des Bocksbeutels im Zusammenhang mit dem Frankenwein befindet sich vermutlich auf der von Hans Rodlein im Jahr 1576 geschaffenen, steinernen Stiftungsurkunde des Juliusspitals: Mittig auf dem Relief liegt zwischen den Füßen der Menschen eine kugelige Trinkflasche. Die Stiftungsurkunde hängt im Durchgang vom Innenhof zur Parkanlage. Auch für das Jahr 1659 sind schon fränkische Bocksbeutel nachweisbar. [1]

Erwähnt wird der Bocksbeutel außerdem 1728 im Zusammenhang mit einem Stadtratsbeschluss: Demnach sollte der Wein des Bürgerspitals vom Würzburger Stein („Steinwein“) in den Bocksbeutel gefüllt und versiegelt werden. Vorausgegangen war dem Beschluss die Tatsache, dass betrügerische Wirte schlechten Wein verschiedenster Herkünfte als „Frankenwein“ auf den Markt brachten und dadurch dessen Ruf schädigten. Die spezielle Flaschenform mit Schultersiegel führte letztendlich auch zu dem gewünschten Erfolg: Mit ihr wurde Spitzenwein aus Franken verbunden. Steinwein musste zu dieser Zeit jedoch nicht zwangsläufig vom Würzburger Stein kommen, sondern wurde teilweise auch für andere qualitativ hochwertige Weine verwendet.

Neuer Bocksbeutel[Bearbeiten]

Neue Form

Ursprünglich sollte im Rahmen der Fachmesse „ProWein“ im März 2014 der fränkische Bocksbeutel in einer neuen Form vorgestellt werden. Die Vorlage für die neue Flasche hat der Hamburger Designer Peter Schmidt entwickelt. Schmidt hat unter anderem Parfüm-Flakons für namhafte Labels und Glasflaschen für renommierte Getränkehersteller entworfen. Die Vorstellung erfolgte aufgrund technischer Probleme in der Herstellung und nicht bestandener Glasbruchtests erst am 18. Dezember 2015 in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. [2] [3]

Namensgeber[Bearbeiten]

Die einfachste und wohl auch stimmigste Erklärung ist folgende: Die Flasche sieht aus wie der Hodensack eines Bocks und heißt demzufolge scherzhaft Bocksbeutel. Daneben gibt es noch ein paar andere Deutungen: Die erste führt zurück in die Zeit der frühen Klostergründungen in Franken. Eine Geschichte besagt, dass Benediktinerinnen in Ochsenfurt und Kitzingen bereits im 7. Jahrhundert Wein anbauten. Weiterhin aber auch, dass sie anstatt heiliger Schriften den Heiligen Geist in Form von Wein in ihren „Booksbüdeln“ mit sich trugen. Eine weitere Deutung besagt, dass Ratsleute einen „Booksbüdel“ mit sich führten, wenn sie zur Sitzung gingen.

Ein anderer Deutungsversuch ist der „Buggesbüdel“: „Bugges“ ist der Buchsbaum, „Buggesbüdel“ steht damit für ein Gefäß aus Buchsbaumholz. Gelegentlich wird der Bocksbeutel auch vom „Bugsbeutel“ abgeleitet, also von einer Tragflasche, die mit einem Gurt am Bug eines Schiffs befestigt wurde. Nachdem aber der Bock schon seit Urzeiten im Zusammenhang mit dem Wein in Erscheinung tritt, ist die volkstümliche Erklärung des Bocksbeutels die wahrscheinlichste. [4]

Fassungsvermögen[Bearbeiten]

Bocksbeutel sind in diesen Größen erhältlich:

  • 0,25 l (diese werden gerne zum Probieren verwendet)
  • 0,375 l (sehr selten, für edelsüße Weine oder Raritäten)
  • 0,5 l (selten, gerne bei höheren Qualitäten um den Preis pro Flasche nicht zu hoch werden zu lassen)
  • 0,75 l (sehr häufig)
  • 1,5 l (auch als „Magnum-Bocksbeutel“ bezeichnet)
  • 3 l (auch als „Magnum-Bocksbeutel“ bezeichnet)

Der gebräuchlichste Bocksbeutel für die meisten angebotenen Weine enthält 0,75 Liter (drei fränkische Schoppen à 0,25 l).

Markenschutz[Bearbeiten]

Im Bocksbeutelstreit entschied der Europäische Gerichtshof 1983 zunächst, dass der Bocksbeutel, entgegen den Wünschen fränkischer Winzer, keinen Markenschutz genießt und die festgelegten Bestimmungen in der deutschen Weinverordnung unzulässig seien. Dies galt fast ausschließlich für fränkische und portugiesische Weine, da in der Regel nur Weine aus diesen beiden Anbauregionen in Bocksbeutel abgefüllt wurden. Heute ist der Bocksbeutel als Markenzeichen des Frankenweins und seit 1989 auch für Qualitäts- und Prädikatsweine aus Franken urheberrechtlich geschützt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Schneider: Bocksbeutel: Platt-, Feld- und Pilgerflaschen; ihre Geschichte und Verbreitung. Selbstverlag, Volkach, 2000. (Stadtbücherei Würzburg Dxl Schn)
  • Ernst Tochtermann: Von der Pilgerflasche zum Bocksbeutel. Sonderdruck 1981. (Stadtbücherei Würzburg Dxl Toc)
  • Hildebrecht Hommel: Bocksbeutel und Aryballos. Philologischer Beitrag zur Urgeschichte einer Gefäßform. Winter, Heidelberg 1978. (in der Universitätsbibliothek bestellbar)
  • Hermann Jung: Der Bocksbeutel im Wandel der Zeit. Selbstverlag, Würzburg, um 1970. (Stadtbücherei Würzburg Dxl Jun)
  • Hermann Jung: 3000 Jahre Bocksbeutel: Der Siegeszug einer Weinflasche. Stürtz, Würzburg, 1970. (Stadtbücherei Würzburg Dxl Jun)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]