Huttensäle

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Huttensäle in den 1960er Jahren
Gartenbautag 1959 in den Huttensälen

Die Huttensäle bzw. Hutten-Säle waren ein bekanntes Veranstaltungszentrum mit mehreren Sälen in der Virchowstraße im Stadtbezirk Sanderau. Die Säle wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet - zuvor befand sich an gleicher Stelle der flächenmäßig größere Hutten'sche Garten (auch: Huttenscher Garten), eine Parkanlage. Mit den Planungen des Congress Centrum Würzburg endete die Ära des Veranstaltungszentrums am 24. Februar 1980. Heute befindet sich an gleicher Stelle eine Tegut-Filiale mit Parkplätzen.

Namensherkunft und Geschichte[Bearbeiten]

  • 1725 baute Fürstbischof Christoph Franz von Hutten in der heutigen nördlichen Sanderau ein Sommerschlösschen mit Parkanlage („Lustgarten“). Das Schlösschen befand sich zu diesem Zeitpunkt etwas südlicher des heutigen Standorts des Huttenschlösschens an der heutigen Schießhausstraße und war mit der Aussichtsseite zum Main hin orientiert. Dem in Richtung Osten anschließenden Park öffnete sich das Gebäude mit einer großen, doppelläufigen Treppe, die vom Festsaal in den Garten führte. Der Park selbst war zu dieser Zeit etwa 230 Meter lang, etwa 50 Meter breit und erstreckte sich mit anfangs streng geometrischen Mustern zwischen der Schießhausstraße und der Virchowstraße. Im Osten an der Virchowstraße flankierten zwei Eckpavillons eine Toranlage. „publicae amoenitati et privatae salubritati“ (zur öffentlichen Annehmlichkeit und zum privaten Wohlergehen) war unter dem Balkon eingemeißelt und umschrieb das Konzept der Anlage: Der Garten war öffentlich zugänglich, die Räumlichkeiten des Schlösschens waren dagegen dem Fürstbischof vorbehalten.
  • Christoph Franz von Huttens Erben konnten und wollten den bis dahin auf etwa 70 Meter verbreiterten Hutten'schen Garten mit Schlösschen nicht halten und veräußerten diesen Stück für Stück. Während der westliche Abschnitt beinahe unverändert blieb, wurde im Osten ein Wirtschaftsbetrieb eingerichtet: Am Ostermontag 1797 eröffnete Hofkonditormeister Bevern mit dem „Entree-Ball“ eine gastronomische Nutzung des östlichen Hutten'schen Garten.
  • 1823 gab es im Hutten'schen Garten ein großes Fest für König Max Joseph in Bayern, 1845 ein großes Sängerfest mit 108 deutschen Gesangsvereinen und fast 2000 Sängern.
  • Im Katasterplan von 1832 zeigt sich die Zweiteilung des Gartens sehr gut - im östlichen Teil wurden die geradlinigen Muster durch den Stil eines englischen Gartens abgelöst.
  • Vom 4. - 6. August 1845 fand in der Festhalle das erste deutsche Sängerfest statt. Die Gäste reisten dazu auch auf Dampfbooten an. [1]
  • Erste bauliche Veränderungen der Gastronomie gab es durch Anton Kuchenmeister Ende des 19. Jahrhunderts. Einen massiven Wandel bescherte der Anlage auch die Entfestigung der Stadt und die damit verbundenen Bautätigkeiten außerhalb der Stadtmauer. Mit der Huttenstraße teilte eine Straße den Hutten'schen Garten entgültig in zwei Bereiche. Das Gartengelände wurde nach und nach mit Mietshäusern bebaut und damit parzelliert. In den Folgejahren veränderte sich das gesamte Gelände nachhaltig.
  • 1897 kaufte Karl Wolz mit Ehefrau den oberen Teil des Hutten'schen Garten. Später betrieb auch der Sohn Paul Wolz zusammen mit seinen Eltern die Huttensäle (Familienbetrieb).
  • Wolz errichtete zwischen 1903 und 1913 am Hutten'schen Garten einen prächtigen Theatersaal, einen Hochzeitssaal, einen einfach ausgestatteten Galeriesaal und den Kleinen Saal. Eine genaue Beschreibung gibt es hier. Der östliche Garten wurde dadurch nahezu vollständig bebaut - die Hutten-Säle waren geboren. Es erfolgten kontinuierlich Erweiterungen. 1949 wurden die Säle zu den Huttenlichtspielen umgebaut und waren zu dieser Zeit Würzburgs zweitgrößtes Kino.
  • Das Huttenschlösschen wurde unterdessen in den Jahren 1904 und 1905 abgerissen, unterkellert und unter Rekonstruktion der Freitreppe und der historischen Stuckdecken weitgehend mit Originalmaterial an der jetzigen Stelle wieder aufgebaut. Dabei wurde das Gebäude zusammen mit den beiden Seitentoren mit der Freitreppe nach Süden um 90 Grad gedreht und dadurch ein Achsenbezug zum neuen Ringpark geschaffen. Die Gartenparzelle um das Gebäude herum erinnerte an die alte Funktion als Gartenschlösschen. Sie ist das Überbleibsel des einstmals großen Gartens.
  • 1945 wurde durch die Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 die Huttensäle vollständig zerstört. Noch im selben Jahr wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, der Große Saal wurde 1953 fertiggestellt.
  • In den 1960er und 1970er Jahren erlebten die Huttensäle ihre Blütezeit. Zahlreiche internationale Stars gaben sich die Klinke in die Hand. 1965 gab es umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen.
  • Das Ende der Säle läuteten die Planungen des Congress Centrum Würzburg ein: Um konkurrenzfähig bleiben zu können, wären umfangreiche Investitionen nötig gewesen. Am 24. Februar 1980 schlossen die Huttensäle deshalb die Pforten.

Veranstaltungen und Gäste[Bearbeiten]

Das Veranstaltungsangebot der Huttensäle war extrem vielfältig: Theater, Varieté, Musicals, Tanzturniere, Beat-Abende, Miss-Wahlen Verbindungs- oder Innungsbälle, Faschingsbälle, politische Veranstaltungen und Kino. Das Veranstaltungszentrum profitierte auch durch die Kooperation mit Münchner Theatern, welche ihre alte Dekoration nach Würzburg abgaben. Das Angebot richtete sich sowohl an die wohlhabende Bevölkerung, als auch in Form von günstigen Tanzveranstaltungen an den Otto Normalverbraucher. Populäre Gäste der Huttensäle waren unter anderem Gilbert Bécaud, Udo Jürgens, Roberto Blanco, Peter Frankenfeld, Heinz Erhard, Don Kosaken, Klaus Doldinger, Karl Dall, Karel Gott, Rudolf Schock, Fred Bertelmann, Harry Smith-Hampshire, Johannes Heesters und die Rockgruppe „Deep Purple“.

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Gegenwärtig verwendet Tegut für die Filiale die Bezeichnung Tegut Würzburg-Huttensäle und greift somit die Vergangenheit des Areals auf. Von den Huttensälen und dem Hutten'schen Garten steht heute noch das Eingangsportal (Baudenkmal), der Park wurde ansonsten komplett überbaut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Bruno Rottenbach: Die geheimnisvolle Droschkennummer 10416, in: 15 Jahrhunderte Würzburg. Eine Stadt und ihre Geschichte., hrsg. von Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 442 - 461, S. 444 (Abb.)

Weblinks[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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