Beer'scher Felsenkeller

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Historische Ansichtskarte des Beer'schen Felsenkellers von 1898
Leistenstraße bis zum Beer'schen Felsenkeller (undatiert)
Beer'scher Felsenkeller (1927)

Der Beer'sche Felsenkeller war ein großer Gastronomiebetrieb mit Biergarten an der Gabelung Leistenstraße / Weg zur Neuen Welt im Hangbereich des Nikolausbergs. Das Gelände erstreckt sich bis zum Leutfresserweg und zählt statistisch zum Stadtteil Nikolausberg (Stadtbezirk Steinbachtal). Der Ausschank der Sanderbräu Georg Beer & Söhne wurde Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet und 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben.

Namensgeber[Bearbeiten]

Der Name lässt einerseits auf den Besitzer Georg Beer zurückschließen, dem zugleich auch die Sanderbrauerei (Sanderbräu) in der Rotlöwengasse gehörte. Andererseits bezieht er sich auf die Felsenkeller, die zur Lagerung von Eis genutzt wurden. Das Eis wurde dazu im Winter aus dem gefrorenen Main in Stangenform gesägt und mit Pferdekutschen in die Keller gebracht. Wie insbesondere in Oberfranken üblich, wurde über den Kellern eine Außengastronomie betrieben. (daher auch der fränkische Ortshinweis: „auf den Keller gehen“.) Im Zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzraum.

Historische Beschreibung[Bearbeiten]

Das „8-Uhr-Blatt“ Nr. 181 vom 6. August 1934 berichtete von der Wiedereröffnung des Beer'schen Felsenkellers wie folgt:

„Wohl jeder, der in den vergangenen Jahren auf einen Spaziergang die Leistenstraße hinausging und an der Abzweigung des Weges zur Neuen Welt an dem Gelände des ehemaligen Felsenkellers der Beers Brauerei und dem schon seit den ersten Kriegsjahren brachliegenden prachtvollen Grundstück mit seinem halbverfallenen Gebäuden vorbeikam, hat wohl schon bedauert, daß dieser einst so prächtig florierende und als Ausflugslokal so ungemein populäre Großbetrieb der Vergangenheit angehört.
Seit dem Frühjahr konnte man nun auf dem Grundstück einen lebhaften Baubetrieb wahrnehmen und gelegentlich erfuhr man so unter der Hand, daß Beers Söhne die Neueröffnung des Betriebes beabsichtigen. Wenn man auch von vorneherein wußte, daß alles, was der an Popularität als großzügiger Geschäftsmann und überall beliebte Persönlichkeit seinem Vater nichts nachstehende Sohn Josef Beer mit seinem Bruder unternehmen würde, Hand und Fuß haben wird, so war man gestern doch überrascht, als man sich am Nachmittag zur Eröffnungsfeier nach dem neuerstandenen Beers Felsenkeller begab: Die Wirklichkeit hat die kühnsten Erwartungen übertroffen.
Schon vom Anfang der Leistenstraße an ging eine wahre Völkerwanderung hinaus und so ging es den ganzen Nachmittag fort, so daß nach einer Stunde kaum noch ein Platz im Keller zu finden war. Die beiden Brüder Beer machten selbst die Honneurs und mußten eine wahre Glückwunschparade abnehmen. Trotzdem infolge des Hinscheidens unseres Reichspräsidenten das vorgesehene Kellerfest und damit alle musikalischen Genüsse ausfallen mußten, entwickelte sich doch ein lebhafter und unterhaltsamer Betrieb.
Über den wirklichen großzügigen Ausbau des Felsenkellers wird noch ausführlicher zu sprechen sein. Heute aber sei schon erwähnt, daß es sich um eine ganz hervorragende und architektonisch hervorragende Leistung handelt. Schon die neuerbauten modernen Wirtschaftsgebäude mit ihren terassierten Treppenanlagen machen einen ungemein freundlichen und großlinigen Eindruck und wenn man dann zum Keller hinaufgestiegen ist, so ist man von neuem überrascht von der gewaltigen Arbeit, die hier geschaffen wurde. In riesiger Erdbewegung wurden hier vier, fünf terassenförmig ansteigende Gartenflächen geschaffen, die mit ihren freundlichen Tischen und Stühlen vielen Tausend Personen einen einladenden Aufenthalt bieten. Die hübsche Gliederung, die immer und nach jeder Blickrichtung hin wechselnden landschaftlichen Situationen und der Ausblick auf die grandiosen Festungsmauern und den Maschikuliturm, stempeln Beers Felsenkeller ohne Zweifel zum schönsten Bierkeller Würzburgs.
Wir beglückwünschen die Brüder Beer zu dieser, echten deutschen Unternehmergeist verratenden Tat, mit der sie Würzburg eine prächtige Sommeraufenthaltsstätte geschaffen haben!

Heutige Situation[Bearbeiten]

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Gelände verwildert und wurde kontinuierlich von der Natur zurückerobert. Vielen Würzburgern diente das große Grundstück in ihrer Kindheit als Spielplatz. Ähnlich wie bei den Charlott-Terrassen sind die Gebäude auf dem Areal weitestgehend verfallen. Teile der Gebäude wurden und werden von Obdachlosen bewohnt. Die Terrassen des Biergartens mit Einfriedungen, Treppen und Lampen sind größtenteils noch erhalten und mit alten, mächtigen Bäumen bewachsen. Efeu schlängelt sich um Geländer, Sträucher und Bäume.

In den Fokus der Öffentlichkeit rückte das Gelände kurz im Sommer 2012, als im nördlichen Hauptgebäude des ehemaligen Beer'schen Felsenkellers ein Feuer ausgebrochen ist. [1] Aus Sicherheitsgründen ist das Gelände deshalb versperrt und unzugänglich.

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Werner Dettelbacher: Zu Gast im alten Würzburg. Hugendubel Heinrich GmbH, Würzburg, 1997, S. 154

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Main-Post: „Leistenstraße: Brand in leerstehendem Haus“ (21. August 2012)

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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