Steinbruch Lindelbach

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Steinbruch Lindelbach
Derrick-Kran

Der Museumssteinbruch Lindelbach (seltener: Steinbruch am Schlossplatz, Lützelbruch) ist ein historischer Muschelkalksteinbruch und ein Naturdenkmal nordwestlich des Randersackerer Ortsteils Lindelbach. Auf dem etwa 15.000 Quadratmeter großem Areal befinden sich zahlreiche Zeugnisse des Muschelkalk-Abbaus, darunter der 1936 errichtete hölzerne Derrick-Kran als Industriedenkmal. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde hier von den Steinhauern („Steehawer“) Quaderkalk abgebaut. [1] Angrenzend an den Steinbruch befindet sich das Fanny-Haus, das aus Wetterschutzhütte und Werkzeugschmiede den Steinmetzen diente.

Lage[Bearbeiten]

Der Steinbruch (305,8 m ü. NN) liegt etwa einen Kilometer nordwestlich von Lindelbach im Bereich der Flurlagen Im Neuriß, Querleiste, Randersackerer Holzäcker und Am Steinbruch[2]

Geologie[Bearbeiten]

Randersacker mit Ortsteil Lindelbach war ehemals Zentrum einer der dichtesten Steinbruchregion Europas. Der dort bis Mitte des 20. Jahrhunderts abgebaute Quaderkalk entstand vor etwa 220 Millionen Jahren als Ablagerung im Muschelkalmeer des „Trias“ genannten Erdmittelalters. Durch die Auffaltung der Alpen und die Verschiebung der oberen Erdschichten wurde der verfestigte Kalk in regelmäßige Würfel und Quader zerklüftet. Praktisch auf allen Höhenzügen um Randersacker befinden sich die ehemaligen Steinbrüche.

Speziell beim Steinbruch Lindelbach kann die Zerklüftung des Quaderkalks anhand eines überdimensionalen Schachbretts - der Lindelbacher „Urmeersohle“ - beispielhaft als bestens ablesbare geologische Störung (Flexur) besichtigt werden. Es handelt sich also nicht um eine „vom Mensch gepflasterte“ Fläche, wie man vom Blick von Oben auf den Steinbruch annehmen könnte, sondern um einen natürlichen Zustand. Das Steinbruchgelände erschließt die obersten Partien des Oberen Muschelkalks (Quaderkalk) und die untersten Schichten des Unteren Keupers (Lettenkohlenkeuper).

Der Quaderkalk aus den Randersackerer und Lindelbacher Steinbrüchen wurde für viele berühmte Bauten in der Region Würzburg und ganz Deutschland verwendet. Beispiele sind die Rathäuser in Berlin und Leipzig (Neues Rathaus), das Berliner Olympiastadion, das Nürnberger Theater, die Festung Marienberg (u.a. Maschikuliturm). [3]

Derrick-Kran und historische Werkzeuge[Bearbeiten]

Funktionsweise Derrick-Kran

Als Industriedenkmal wurde im Steinbruch ein hölzerner Derrick-Kran (bzw. Derrickkran) erhalten: Es handelt sich dabei um einen an der Spitze (dem „Kopf") abgespannten, ortsfesten Bockstrebenkran. Der Ausleger ist am Mast gelenkig (somit beweglich) gelagert und wird von einem über die Spitze des Mastes geführten Seil in einer bestimmten Position gehalten (aufgrund des baulichen Zustandes ist dies gegenwärtig nicht mehr wie ursprünglich möglich). Die Last wurde mit einem über die Spitze des Auslegers geführten Stahlseil gehoben. [4] Der Ausleger konnte außerdem um die Hochachse des Mastes geschwenkt werden, in der Regel drehte dabei der gesamte Mast mit. Der Kran wurde sowohl zum Lösen und Heben der Felsen, als auch zum Beladen der Loren verwendet. Benannt ist diese Art von Kran nach Thomas Derrick, einem englischen Seemann und Henker aus dem 12. Jahrhundert. [4]

Der Derrick-Kran im Lindelbacher Steinbruch wurde 1936 errichtet, in den 1960er Jahren im Holzwerk erneuert und 1990 als Industriedenkmal saniert. Holzteile des Krans wurden außerdem 2011 durch den Landkreis Würzburg (mit Zuschüssen durch die Gemeinde Randersacker und dem Freundeskreis Lindelbacher Steinbruch) aufwendig saniert. 2012 war der Kran Bestandteil im Programm des Tag des Offenen Denkmals[5]

Neben dem Kran findet man auf dem Gelände außerdem verschiedene Greifwerkzeuge, Teile der Transportloren und weitere Steinbruch-Utensilien.

Fanny-Haus[Bearbeiten]

Das Fanny-Haus befindet sich unmittelbar am Steinbruch. Es diente mit einer Gaststube der Versorgung der Steinhauer. In einer kleinen Schmiede konnten außerdem Reparaturen an Werkzeugen vorgenommen werden. Das Gebäude wurde zuletzt vom Freundeskreis Lindelbacher Steinbruch saniert, der das Haus ehrenamtlich unterhält. [6] Auf dem gepflegten Gelände gibt es eine Feuerstelle und ein Plumpsklo.

Besucherinformation[Bearbeiten]

Der Lindelbacher Steinbruch ist grundsätzlich frei zugänglich. Jedoch wird das Gelände zeitweise von Ziegen beweidet, um einer Verbuschung vorzubeugen. Es ist deshalb mit einem Elektrozaun umgeben. Für den Besuch des Steinbruchs empfiehlt sich festes Schuhwerk und zur Jagdzeit eine möglichst auffällige Kleidung (z.B. Warnweste). Das Gelände ist teilweise sehr abschüssig - Kinder sollten deshalb nur unter Beaufsichtigung dort spielen. Da es sich um ein bedeutendes Naturdenkmal handelt, darf unmittelbar im Steinbruch nicht Feuer gemacht- oder gefeiert werden. Hierfür eignet sich das benachbarte Fanny-Haus. Für Führungen und weitere Informationen stehen der Freundeskreis Lindelbacher Steinbruch oder die Randersackerer Steinhauer [1] zur Verfügung.

Wegbeschreibung[Bearbeiten]

Von Randersacker kommend in Lindelbach die zweite Straße links fahren (den Schildern „Historischer Steinbruch“ folgen). Diese Straße heißt „Unterer Bux“. Die nächstmögliche Gelegenheit nach links („Steigweg“) führt den Hang hinauf - hier immer geradeaus fahren. Ab dem Ortsausgang Lindelbach führt ein asphaltierter Feldweg weiter. Nach etwa einem halben Kilometer (erste Feldwegkreuzung) geht es links ab zum Steinbruch. Es handelt sich dabei um einen unbefestigten Feldweg, der bei schlechtem Wetter sehr matschig ist. Nach etwa 200 Metern erreicht man die Ostseite des Steinbruchs. Links führt ein Weg zu Derrick-Kran und Fanny-Haus.

Schutzgebiet[Bearbeiten]

Der Steinbruch ist in der Geotopliste des Bayerischen Landesamtes für Umwelt unter der Nummer 679A002 eingetragen.

Geotopdaten[Bearbeiten]

Länge 150 m
Breite 100 m
Höhe 8 m
Geotoptyp: Sedimentstrukturen, Schichtfolge
Aufschlusstyp: Steinbruch (künstlich)
Schutzstatus: Naturdenkmal
Wert: wertvoll

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edeltraud Niggl: Die Quaderkalkvorkommen in Randersacker, Kreis Würzburg, und ihre wirtschaftliche Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart. Würzburg/Randersacker, 1970.
  • Landratsamt Würzburg (Hrsg.): Museen im Landkreis Würzburg. 2015, S. 30.
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Randersacker, Nr. D-6-79-175-147

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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