Kapuzinerkrippe (Ochsenfurt)

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Die Kapuzinerkrippe in Ochsenfurt hat eine jahrhundertealte Geschichte und stammt aus der Barockzeit.

Geschichte

Schon bald nach dem Einzug der Mönche 1667 ins Kapuzinerkloster Ochsenfurt wurde mit dem Bau einer Krippe begonnen und diese auch den Ochsenfurter Bürgern gezeigt. Über rund 150 Jahre hinweg erfolgte eine stetige Erweiterung der Krippe durch die Mönche zu ca. 400 Figuren. Um 1820 verließen die Mönche das Kloster und 1880 zogen die Erlöserschwestern in das Pfründnerspital. Aus dieser Zeit ist eine starke Überarbeitung der Krippenfiguren überliefert. Die neuen, oft samtigen Übergewänder sind hierbei partiell in der Art von Klosterarbeiten aufwendig mit Pailletten und anderen Applikationen bestickt worden. Einige der heutigen Figuren lassen noch Einkleidungen aus dieser Zeit erkennen. Aus dieser Zeit stammten wohl auch Teile der Kulissenbauten.

1970 erfolgte der Neubau des Altenheims. Aufbau und Pflege der Krippe in der Kapuzinerkirche (Ochsenfurt) wurden nun durch eine erste ehrenamtliche Helfergruppe von Ochsenfurter Bürgern übernommen. Eine sehr umfassende zweite Überarbeitung der Figuren und Krippenteile fand um 1983-1985 statt. Bewohner des Altenheims widmeten sich der Renovierung und Reparatur der Krippenfiguren. Hierbei wurde eine sehr große Anzahl der Figuren sowohl in Bereichen der Unterkonstruktion wie auch der Kleidung bearbeitet. Die Gewänder wurden größtenteils komplett erneuert und in Stil und Geschmack der Neuzeit angepasst. 2010 schließlich begann der heutige Neubau des Seniorenheim Haus Franziskus. Dadurch wurde die Krippe eingelagert und das Aufstellen der Szenen eingestellt, da die Klosterkirche nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich war. 2013 gründete sich ein neues Team zum Erhalt der Kapuzinerkrippe und der Aufstellung in Ochsenfurt. Eine erste Präsentation von einigen Szenen der Krippe konnte Weihnachten 2013 in der Stadtpfarrkirche St. Andreas (Ochsenfurt) realisiert werden.

Eigentumsverhältnisse

Die Kapuzinerkrippe ist eine Dauerleihgabe der Stadt Ochsenfurt an die Katholische Kirchenstiftung St. Andreas in Ochsenfurt.

Beschreibung

Die Krippe zeigt neben den Szenen des klassischen Weihnachtsfestkreises, wie die Geburt Christi und die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige, auch verschiedene Szenen aus dem Leben und Wirken Jesu. Zu den Darstellungen der Ochsenfurter Kapuzinerkrippe zählen u.a. auch die Flucht nach Ägypten, Jesus als Zwölfjähriger im Tempel, die Hochzeit zu Kanaan und auch der Kindermord zu Bethlehem.

Figurengestaltung

Die meisten der heute vorhanden Figuren sind mit einem Unterkörper aus Holz gefertigt. Viele der Köpfe sowie zahlreiche Hände und Beine sind aus einem Wachsharzgemisch geformt, an manchen Figuren sind Hände oder Beine aus Holz geschnitzt. Einige der größeren Figuren lassen einen Aufbau in Form einer Gliederpuppe erkennen, wobei die Gelenke in Holz als bewegliche Teilstücke ausgeführt wurden. An anderen Puppen wurde eine Beweglichkeit durch Drahtarmierung hergestellt. Diese Technik ermöglicht beim Aufstellen der Figuren zusätzliche Variationsmöglichkeiten. Die Kapuzinermönche haben zudem als technische Besonderheit viele der Figuren mit gefalteten Notenblättern eingekleidet. Von diesen Papiergewändern sind heute noch vereinzelte Beispiele als Untergewänder vorhanden.

Tiergestaltung

Die Tiere wurden in verschiedenen Techniken ausgearbeitet. Die meisten der Großtiere, wie Kühe und Dromedare, sind aus Holz geschnitzt und polychrom gefasst. Viele der Schafe dagegen sind in einer Gusstechnik mit eingegossenen Holzbeinen gefertigt. Ihre Oberfläche wurde in einer speziellen Beflockungstechnik ausgeführt. Auf die Oberfläche wurden kleine Details wie Augen oder Mäuler fein gemalt und Lederohren eingefügt.

Heutiger Bestand

Derzeit umfasst die Krippe 232 Figuren, 125 Tiere, 25 Kulissenteile, 497 Teile diverses Zubehör, davon Zinngeschirr mit 113 Teilen und 71 Porzellanteller, 29 Kopfbedeckungen, 19 Gewänder und Gewandteile sowie 48 zusätzliche Teile von Figuren.

Studentisches Lehrobjekt

In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Konservierungswissenschaften der Technischen Universität München konnte die Bestands- und Zustandsaufnahme der Krippenfiguren und Aufbauten in den Studienplan des 6. Semesters aufgenommen werden. An ausgewählten Wochenenden im Jahr 2016 wurden in einer Interimswerkstatt mit professioneller Beleuchtung, Arbeitstischen mit Böcken und Tischplatten im Keller des Pfarrhauses praktische Restaurationsarbeiten unter fachlicher Betreuung für bis zu acht Studentinnen und Studenten angeboten.

Siehe auch

Quellen

Weblinks