Josef Hersam

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Josef Hersam (1948)

Josef Hersam (* 20. März1890 in Stalldorf; † 12. Oktober 1948) war katholischer Geistlicher, geriet mehrfach in Konflikt mit den nationalsozialistischen Polizei-, Partei- und Regierungsstellen und rettete die Reliquien der drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan im Zweiten Weltkrieg.

Leben und Wirken

Der spätere Dr. theol. und Bischöfliche Geistliche Rat Josef Hersam wurde am 2. August 1914 zum Priester geweiht. Nach Stationen als Kaplan in Rannungen und im Juliusspital Würzburg wurde er ab 15. Dezember 1917 Pfarrer der Gemeinde Corpus Christi in Saalfeld/Thüringen, bevor er von 1935 bis zu seinem Tod Stadtpfarrer in Gerolzhofen und Leiter des Dekanats wurde. In der Zeit des Nationalsozialismus waren gegen Hersam mehrere Verfahren anhängig: wegen Übertretung des Pressegesetzes, nicht genehmigter Versammlungen, kritischer Predigtäußerungen, einer nicht genehmigten Prozession mit Musikbegleitung anlässlich eines Besuchs Bischofs Matthias Ehrenfried oder Vergehens gegen die Feiertagsverordnung. Durch das Amtsgericht Gerolzhofen wurde er am 22. Juli 1940 wegen Verstoßes gegen die Vorschriften zum Läuten der Kirchenglocken zu 96 Reichsmark Strafe verurteilt. Hersam musste eine Hausdurchsuchung, Beschlagnahmungen seines Eigentums und insgesamt zehn polizeiliche Verhöre über sich ergehen lassen. Er galt den Systemschützern „als hartnäckiger und gehässiger Gegner des Nationalsozialismus“.

Die Rettung der Häupter

Pfarrer Hersam verbrachte im Jahr 1942 auf eigene Faust aus dem Kiliansdom die Häupter der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan heimlich von Würzburg in den Steigerwald und versteckte sie im Nordturm der Stadtpfarrkirche Maria vom Rosenkranz in Gerolzhofen in einer Eichentruhe. So entgingen sie dem verheerenden Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945.

Die Häupter der Frankenapostel konnten erst 1949 wieder nach Würzburg zurück überführt werden. Feierlich wurde die Einholung der Häupter gestaltet, wie die Unterlagen im Diözesanarchiv bezeugen. Die eiserne Kiste wurde demnach am 3. Juli aus dem Turmzimmer in die Sakristei gebracht. Die Häupter wurden in einen neuen Glasschrein gesenkt. „Die Reliquien werden in der Nacht vom 4. auf 5. Juli im Schrein in der Pfarrkirche zu Gerolzhofen aufbewahrt, um in dreitägiger Prozession am 5., 6. und 7. Juli nach Würzburg gebracht zu werden“, heißt es weiter in dem von Domkapitular Theodor Kramer unterzeichneten Protokoll. Dieses Ereignis konnte Pfarrer Hersam nicht mehr erleben, da er im Jahr davor an Lungenkrebs verstarb.

Posthume Würdigung

Zum Leben von Josef Hersam wurde durch den örtlichen Redakteur der Main-Post, Norbert Vollmann, eine Biographie erstellt. [1] [2] Er ist einer der Schlüsselfiguren in dem Theaterstück „Fräulein Schmitt und der Aufstand der Frauen“ von Roman Rausch, das die Ereignisse um das Kriegsende in Gerolzhofen und die Angst Pfarrer Hersams vor der Entdeckung des Verstecks der Reliquien zum Inhalt hat.

Quellen

  • Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten, Nr. 1277.
  • Tobias Haaf: „Den Pfarrer zur Strecke bringen“. Hugo Stöhr, Pfarrer von Rannungen und Dekan von Münnerstadt. Eine Priesterbiographie aus der nationalsozialistischen Zeit Unterfrankens. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 65 (2003), S. 259-336, hier besonders S. 277-282.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

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