Gestapo-Notgefängnis Friesstraße

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Das Gestapo-Notgefängnis Friesstraße war eine zusätzliche Hafteinrichtung der Würzburger Dienststelle der Geheimen Staatspolizei im Zweiten Weltkrieg, die in verschiedenen Quellen und Zeugnissen auch als „Strafgefängnis“ oder „Ausländerlager“ bezeichnet wird.

Standort

Das Notgefängnis befand sich in der Friesstraße im Stadtteil Frauenland auf dem Areal der heutigen Franz-Oberthür-Schule.

Geschichte

Einem detaillierten Bericht eines Untersuchungsoffiziers der französischen Kriegsverbrecher-Untersuchungskommission beim französischen Justizministerium ist zu entnehmen, dass das Notgefängnis am 1. September 1942 errichtet wurde, da das Hauptgefängnis in der Ottostraße zu klein für die Unterbringung aller von der Gestapo Verhafteten war. Die Haftanstalt war eine Einrichtung der Gestapo-Außenstelle Würzburg und unterstand der Gestapo-Leitstelle Nürnberg-Fürth. Über einen kurzen Zeitraum waren dort ca. 59 Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg untergebracht, bis das KZ Außenlager in der Füchsleinstraße (im Keller der damaligen Psychiatrischen Klinik) errichtet worden war. Diese wiederum unterstanden ausschließlich der SS und hatten nichts mit der Gestapo zu tun. Im Gestapo-Notgefängnis befanden sich über den Zeitraum vom 1. September 1942 bis 16. März 1945, dem Tag der Zerstörung, nachweislich mindestens 1100 Häftlinge. Ca. 170 von ihnen wurden in Konzentrationslager deportiert und mindestens 12 Häftlinge sind im Gestapo-Notgefängnis ums Leben gekommen. Einige von ihnen konnten lediglich im Leicheneingangsbuch des Anatomischen Instituts der Universität Würzburg verifiziert werden. Die Gestapo hatte versucht alle Spuren zu verwischen.

Ausstellung

Im Berufsbildungszentrum wurde im Untergeschoss eine Ausstellung organisiert, deren thematischer Schwerpunkt auf 13 Modellen liegt, die potentielle Denkmäler im öffentlichen Raum aufzeigen.

Erinnerungsort Gestapo-Notgefängnis

Denkmal Zwangsarbeit

Die 11. Jahrgangsstufe des Matthias-Grünewald-Gymnasiums hat im Rahmen des Kunstunterrichts gemeinsam mit Schülern der Berufsfachschule für Maschinenbau der Franz-Oberthür-Schule ein temporäres Denkmal für die Inhaftierten des Gestapo-Notgefängnisses im Schuljahr 2017/2018 geplant. Der Entwurf zum Denkmal stammt von Yara Bader. Zur Verlegung von neuen Würzburger Stolpersteinen am 5. April 2019 wurde das Denkmal im Eingangsbereich der Schule in der Friesstraße erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Zitat der Schülerin Yara Bader (17), die das Denkmal entworfen hat:

„Ziel ist es, zu erinnern und zu erreichen, dass die Existenz des in Würzburg annähernd vergessenen Zwangsarbeiterlagers sowie das Schicksaal der hier Inhaftierten nicht mehr so leicht in Vergessenheit geraten kann. Das Gestapo-Notgefängnis gehört zu der Vergangenheit Würzburgs dazu. Das Erinnern scheint mir unerlässlich, um Ähnliches für immer auszuschließen.“

Stolpersteine

Am 5. April 2019 wurden an der Einmündung der Friesstraße in den Zwerchgraben auf dem Gehweg 21 Stolpersteile für die Zwangsarbeiter des Notgefängnisses verlegt. Darunter ein Stolperstein für ein Opfer, dessen Name und Geschlecht unbekannt ist.

Siehe auch

Literatur

Quellen

  • Presseinformation Stadt Würzburg zur Notgefängnisdokumentation vom 11. Juli 2018
  • Presseinformation Stadt Würzburg zur Errichtung eines temporären Denkmals für die Inhaftierten des Gestapo-Notgefängnisses vom 16. April 2019

Weblinks

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