Zehnthof mit Bergmeisterhaus (Randersacker)

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Torhaus des Zehnthofs

Der Zehnthof mit Bergmeisterhaus gilt als schönste Hofanlage in der Marktgemeinde Randersacker.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gebäudeanlage des ehemaligen bischöflichen Zehnthofes ist um einen Innenhof gruppiert und stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert. Als Herren und Gebieter über Randersacker nahmen neben anderen Grundherren vor allem der Fürstbischof und das Domkapitel die Steuern und Gefälle in der Form des Zehnten ein. Zu diesem Zweck wurde auch der Zehnthof in Randersacker gebaut, in dem der durch den Fürstbischof ernannte Schultheiß residierte. Den extrem hohen Schuldenberg von 2,5 Millionen Gulden am Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert versuchte Fürstbischof Johann I. von Egloffstein abzutragen, indem er eine Steuer erhob, die den Adel steuerfrei ausgehen ließ, die Geistlichen mit dem zehnten Teil belegte und die Bürger mit dem 15. Teil ihres Einkommens belastete.

Im Randersackerer Zehnthof, dem späteren Domkapitelhof, wurden die Ernteerträge gesammelt, verarbeitet und weiterverwertet bzw. abtransportiert. Vor allem der in Randersacker reichliche Weinzehnt war eine ergiebige Einnahme- und Genussquelle. Der Zehnthof gliederte sich in das Herrenhaus, das Bergmeisterhaus, das Kalterhaus, die Zehntscheune, den Weinkeller, die Stallungen und das Gesindegebäude. Vom Umfang des Zehnten und der verschiedenen Qualität der Ernten berichtet eine Steininschrift in gotischen Majuskeln am Torhaus des Zehnthofes. Sie ist die älteste Weinzehnttafel Frankens aus dem Jahre 1332/33.

Zehnthof[Bearbeiten]

Der Domkapitelshof war nicht nur reiner Zehnthof, in dem die Abgaben des Zehnten gespeichert wurden, es war auch ein Herrschaftshaus, bestimmt für den Aufenthalt von Würzburger Domherren, die sich entweder amtlich oder zu ihrer privaten Erholung zeitweilig in Randersacker aufhielten. Zwei Inschriften aus dem 17. Jahrhundert am Torhaus, die sogenannten Weinzehnttafeln, berichten vom Umfang des Zehnten.

Der heutige Gebäudebestand geht wesentlich auf das 17. Jahrhundert zurück und besteht aus dem Zehnthaus, einem Massivbau mit Treppenturm, dessen Dach bis ins 19. Jahrhundert mit acht Volutengiebeln bestückt war, einer Zehntscheune, einem Verbindungsbau und Wirtschaftstrakten. Das Anwesen war bis 1640 in unmittelbarem fürstbischöflichen Besitz. In diesem Jahr ging der Marktflecken Randersacker im Tausch gegen das Dorf Stockheim vor der Rhön an das Würzburger Domkapitel über.

Am 24. Januar 1835 kaufte Joseph Schmitt den Randersackerer Zehnthof.

Im Zehnthof gründete 1921 der Randersackerer Ehrenbürger Ludwig Schmitt die Winzergenossenschaft Randersacker eG.

Asylrecht[Bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Gebäude trotz Schutzbrief geplündert. Aus dieser unsicheren Zeit ist ein Asylrecht überliefert. Wer den Torknauf fassen konnte, war drei Tage vor Verfolgung sicher.

Bergmeisterhaus[Bearbeiten]

Angrenzend an das Torhaus befindet sich das Bergmeisterhaus als Teil des Zehnthofes. Der Bergmeister war Bindeglied und Mittelsperson zwischen Bischof bzw. Domkapitel und Einwohnerschaft in allen Angelegenheiten des Weinbaues. Dass man den Bergmeistern im Bereich des Zehnthofes ein geräumiges Wohnhaus zur Verfügung stellte, unterstreicht Bedeutung, Befugnisse und Rechte des Bergmeisters. Er war direkt dem Grundherrn, dem Bischof und später dem Domkapitel unterstellt.

Das Bergmeisterhaus wurde zusammen mit dem übrigen Zehnthof während der Amtszeit des Dompropstes Johann Gottfried von Aschhausen, der von 1617 bis 1622 als Würzburger Fürstbischof regierte, erneuert und umgestaltet. Im Jahre 1717 musste nicht nur der Zehnthof repariert und die Kellerei neu erbaut werden, sondern auch das Bergmeisterhaus wurde neu errichtet. Das Richtfest für die Neubauten fand am 5. Juli 1717 statt.

Der letzte Bergmeister und zugleich könglichliche Weinbergsverwalter war Joseph Dietrich. Laut Verkaufsprotokoll vom 2. Oktober 1828 kaufte er das Bergmeisterhaus für 2.325 Gulden. Er verwandelte das Bergmeisterhaus in die Weinstube Dietrich. Im Jahre 1893 kaufte Andreas König für 15.000 Goldmark das Bergmeisterhaus, welches heute noch im Besitz des Weingutes König ist. [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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