Joachim Kühl

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Prof. Dr. Joachim H. Kühl (*27. Juni 1948 in Karlsruhe; † 12. August 2003 in Würzburg) war Professor für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Würzburg.

Leben und Wirken

Joachim Kühl wurde 1948 in Karlsruhe als zweites Kind des Internisten Dr. med. H. Kühl und seiner Ehefrau Annegret, geb. Mannteufel geboren. Er ging zur Volksschule in seinem Wohnort Bretten und besuchte bis zum Abitur 1967 das dortige Melanchthon-Gymnasium.

Das Studium der Medizin erfolgte seit dem WS 1967/68 an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Die ärztliche Vorprüfung legte er nach dem WS 1969/70 ab. Das Staatsexamen bestand er im Sommer 1973 und promovierte 1974 mit der Arbeit „Untersuchungen über die spezifischen Aktivitäten der Laktatdehydrogenase, Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase und Isocitratdehydrogenase in Thrombocyten von Kindern“ magna cum laude.

Als Medizinalassistent arbeitete er an der Universitätsklinik und war zum Zeitpunkt der Promotion an der Chirurgischen Klinik tätig. Nach erteilter Approbation war er an der Sanitätsschule der Luftwaffe (Emil-von-Behring-Kaserne) beschäftigt. Es folgte 1976 die Anstellung als Wissenschaftlicher Assistent bei der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg. Seit 1979 hatte er dort die leitende Stellung in der „Pädiatrischen Onkologie/Hämatologie“ inne. Im Jahr 1980 führte er einen fächerübergreifenden Arbeitskreis mit Patientenvorstellung ein. Am 12. Februar 1981 erfolgte die Ehrung mit dem Josef-Schneider-Preis der Medizinischen Fakultät. Im selben Jahr fand die Facharztanerkennung statt und es folgten der Betritt zur Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und zur Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Leukämieforschung- und Behandlung. Letztere wählte ihn 1982 in die Studienkommission zur Behandlung der Langerhanszell-Histiotzytose. 1983 dann Mitgliedschaft in der BFM-ALL-Studienkommission zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie. Die Ernennung zum akademischen Rat fand 1984 statt. Er war 1984 Gründungsmitglied des Vereins Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder und ergriff in der Klinik Maßnahmen zu Verringerung der Isolation von sowohl Patienten als auch Eltern. Es folgte 1985 die Wahl in den Beirat des Tumorzentrums der Universität Würzburg. Zum Oberarzt ernannt wurde er 1992, zum Akademischen Direktor 1998.

Professor in Würzburg

Auf die Vorlage der Habilitationsschrift „Postoperative Chemotherapie vor der Bestrahlung von Kindern und jungen Erwachsenen mit malignen Hirntumoren : Verträglichkeit, Wirksamkeit und prognostische Faktoren“ von 1994 (Promotion 19. Januar 1995) folgte die Lehrberechtigung für das Fach Kinderheilkunde.

Das Kernthema seiner Arbeit war die Behandlung von malignen Hirntumoren bei Kindern insbesondere die Einführung einer in diesem Bereich bis dahin abgelehnten systematischen Chemotherapie. Die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) ernannte ihn 1986 zum Leiter der Arbeitsgruppe für Hirntumore im Kindesalter. Er erarbeitete eine Metaanalyse weltweiter Behandlungsergebnisse in diesem Bereich und veröffentlichte 1987 die Therapiestudie HIT SKK 87 zur Behandlung maligner Hirntumoren von Kindern unter 3 Jahren. Im Jahr darauf folgte die Therapieoptimierungsstudie HIT 87/89 zur Behandlung maligner Hirntumoren bei Kindern über 3 Jahren. Im Protokoll HIT SKK verzichtete er vollständig auf eine postoperative Bestrahlungstherapie zum Schutz der jungen Gehirne und nutzte stattdessen eine Polychemotherapie mit den erfolgversprechendsten Medikamenten. Das Protokoll führte zu großen Therapieerfolgen und wurde schnell international anerkannt. In Folge profitierten davon auch Studien zur Behandlung älterer Kinder und es ergaben sich zunehmend Kooperationen mit anderen Kliniken. In Würzburg entstand ein Netzwerk aus Pädiatrischer Onkologie, Radiologischer Diagnostik und Pädiatrischer Neurochirurgie. Dies trug maßgeblich zur Entwicklung der Neuroonkologie in Deutschland bei. Die von Kühl aus Würzburg maßgeblich geleitete Studie zur Erforschung von Hirntumoren von Kindern und Jugendlichen mit Beteiligung von über 70 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz konnte in über 20 Jahren enorme Fortschritte erzielen.

Joachim Kühl verstarb am 12. August 2003 nach langer schwerer Krankheit. Er war verheiratet und hatte mit seiner Frau drei Kinder. Mit seiner Familie lebte er zuerst in Randersacker und seit Anfang der 1980er Jahre in Kürnach.

Auszeichnungen

  • 1981: Josef-Schneider-Preis der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg
  • 2002: Ernennung zum Apl. Professor durch die Medizinische Fakultät der Universität Würzburg
  • 2003: Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 2003 Forschungspreis der Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung im Stifterverband

Sonstiges

Kühl war Mitglied einer farbentragenden Studentenverbindung.

Werke

  • Untersuchungen über die spezifischen Aktivitäten der Laktatdehydrogenase, Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase und Isocitratdehydrogenase in Thrombocyten von Kindern. Inaugural-Dissertation, Würzburg 1974
  • Postoperative Chemotherapie vor der Bestrahlung von Kindern und jungen Erwachsenen mit malignen Hirntumoren : Verträglichkeit, Wirksamkeit und prognostische Faktoren. Habilitationsschrift, Würzburg 1994

Quellen