Godehardskapelle (Würzburg)

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Die Godehardskapelle oder Gotthartskapelle wurde mit der Alten Mainbrücke 1133 errichtet.

Lage

Das Haus Nummer 524 bezeichnet den ehemaligen Standort der Godehardskapelle

Sie befand sich am rechtsmainischen Brückenaufgang in unmittelbarer Nähe des Brückentors neben dem Brückenzollhaus. In der alten Distriktsgliederung ist es der Standort des Gebäudes II. Distrikt Nr. 524 (heute Alte Mainbrücke 2 und 4) [1] Die Ausmaße betrugen 18,7 x 7 Meter.

Patrozinium

Die Kapelle war dem hl. Godehard (960-1038) geweiht, Benediktinermönch und Bischof von Hildesheim, Patron der Baumeister und Steinmetze. Patrozinium ist am 5. Mai. Godehard wurde 1131 durch Papst Innozenz II. als erster Bayer heiliggesprochen, kurz vor Errichtung der Kapelle.

Geschichte

Die Kapelle entstand bereits mit dem ersten Brückenbau. Dafür wurde der dritte rechtsmainische Brückenbogen nach Norden verbreitert. Die Gotthardkapelle gehörte zunächst zum Benediktinerkloster St. Burkard, nach dessen Umwandlung dem Adeligen Säkularkanonikerstift St. Burkard. Die Pfarrei St. Burkard stellte einen Vikar oder Kaplan ab, der Andachten in der Kapelle hielt. Gottesdienst fand in späteren Jahren nur noch am Tag des Patroziniums statt.

1592 sprach der Dompfarrer davon, dass die Kapelle repariert werden müsse. Man war sich aber nicht einig, wer unterhaltspflichtig war, so lies man das wieder fallen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kapelle verwüstet und 1631 profaniert. Sie diente den Schweden während der Besatzungszeit als Hauptwache, da sie aus Stein erbaut war (die anderen Häuschen auf der Brücke waren aus Holz und bereits zu Brennholz verarbeitet). Nach Abzug der Schweden wurde die Kapelle nicht mehr geweiht. 1640 ließ das Stift St. Burkard die Kirchenfenster zumauern.

1649 versuchte ein Benefiziat die Kapelle wieder instand zu setzen und aus diesen finanziellen Mitteln zu erhalten. Die Pläne wurden verworfen, die Kapelleneinkünfte St. Burkard zugeschlagen. Die Gottesdienste wurden ins Armekinderhaus des Mainviertels (Burkarderstr 24) verlegt. In der Kapelle blieb die Stadthauptwache bis zum Übergang an Bayern im November 1802. In die Kapelle zog dann die Brückenwache ein. 1869/1878 wurde sie aufgelassen bzw. abgebrochen, danach ein Wohn- und Geschäftshaus eingebaut.

Bedeutung

Zum einen hatte die Kapelle eine Bedeutung für die Halsgerichtsbarkeit, da sie sich zwischen dem Stockhaus und dem Brückengericht befand. Zum anderen war sie Teil des Rituals der Amtseinführung eines neuen Bischofs. Werner Dettelbacher schreibt dazu:

"Eine wichtige Rolle spielte sie beim Einzug des erwählten Bischofs in den Dom. Der Bischof, der mit seinem zahlreichen Gefolge vom Marienberg bis zum inneren Brückentor geritten war, stieg dort von seinem Pferd, das sofort dem Marschall als Eigentum zufiel, und betrat die Gotthardskapelle. Seine Begleiter, deren Pferde außerhalb des Tores bleiben mussten, stellten sich beidseits der Straße in zwei Reihen auf. Beim Eintritt reichte der Vikar von St. Gotthard dem Bischof Weihwasser mit den Worten „Der Herr behüte Deinen Eingang und Deinen Ausgang von nun an bis in Ewigkeit!“ War es früh am Tag, so wurde auf Wunsch des Bischofs eine Messe gelesen. Danach legte der Bischof sein Oberkleid ab und sprach: “Ziehe mir aus, o Herr, den alten Menschen mit allen seinen Taten!“ Das Gewand erhielt der Vikar zum Geschenk. Darauf hielten Diener um den Gewählten ein seidenes Tuch, damit er sich bis aufs Hemd ausziehen konnte. Darüber zog er nun ein bis zu den Knöcheln reichendes Büßergewand aus grobem grauem Stoff und gürtete sich mit einem Strick aus Hanf. Dazu betete er: „Ziehe mir an, o Herr, einen neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in Heiligkeit und wahrer Gerechtigkeit!“ Baren Hauptes und Fußes trat er auf die Straße heraus, während der Vikar rief: „Gehet entgegen eurem Bischof und Herrn!“ Jetzt griff der Marschall zum hänfenen Strick und führte ihn die Rampe hinab, während die beiden vornehmsten Begleiter, die in Gold und Silber gewirkten Banner in der Außenhand, ihn in die Mitte nahmen. So zogen sie über den Markt, die heutige Domstraße, durch das Spalier der Wäppner, der Gewappneten, hinauf zum Domportal. Dort stand das Domkapitel und empfing den Gewählten mit der zeremoniellen Frage nach seinem Begehren."

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Franz Seberich: Die alte Mainbrücke zu Würzburg. Mainfränkische Hefte, Heft 31, 1958, Abb 5, S. 32

Kartenausschnitt

Ehemaliger Standort
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