Vom Würzburger Städtekrieg

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Vom Würzburger Städtekrieg ist eine politische Ereignisdichtung, die von Bernhard von Uissigheim mit verfasst wurde.

Geschichte und Thema[Bearbeiten]

Kurz nach der Niederlage der Würzburger Bürgerschaft in der Schlacht von Bergtheim entstandenes poetisches Werk. Einer der Dichter, Bernhard von Uissigheim, stand auf der Seite des siegreichen Bischofs Gerhard von Schwarzburg und des fränkischen Adels. In dem Werk werden die Bürger im Sinne bauernfeindlicher Literatur als lächerlich, großmäulig und verräterisch geschildert. Der rund 2.200 Verse lange Reimpaarspruch ist die umfangreichste politische Ereignisdichtung des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Dichtung ist aus verschiedenen, ursprünglich wohl unabhängigen Einzelteilen zusammengesetzt, die in unterschiedlichen Phasen des Konflikts entstanden und sich in ihren Intentionen im einzelnen unterscheiden. Indirekt bezeugt das Werk auch Spottlieder der Gegenseite, die gegen den Bischof verbreitet wurden.

Inhalte[Bearbeiten]

Der Reimpaarspruch beginnt mit der Werbung der Bürger um Verbündete für ein verräterisches Vorgehen gegen Bischof und fränkischen Adel. Debatten verschiedener, namentlich genannter Ratsmitglieder und Bürger machen deutlich, dass Aufruhr gegen den Bischof und Übergriffe gegen die Geistlichkeit geplant sind. Geschildert wird dann der vergebliche Sturm der Würzburger auf die Festung Marienberg. Zwar maßen sie sich an, wie Ritter Krieg zu führen, aber Filzhüte als Helme, Mistkörbe als Schilde und Pfannen als Brustpanzer zeigen, dass es sich um verblendete Möchtegern-Ritter handelt.

Weitere Unruhen und Übergriffe werden unter dem Einfluss des Teufels und des Frankenweins in einer Judas-Schule geplant, in der man lernt, seinen Herrn zu verraten. Als Teile der Bevölkerung zu murren beginnen und die Häcker einen Protesttanz inszenieren, begibt sich der Rädelsführer Fritz Schade zu König Wenzel IV.. Dieser lässt sich für die Sache der Aufständischen gewinnen und verleiht der Stadt die Reichsfreiheit. Der Reichsadler beklagt sein Schicksal, nach Würzburg geschickt worden zu sein, wo man ihn misshandelt und am Ratshaus festgenagelt habe. Als Alternative zum unfähigen König Wenzel wird auf die Wittelsbacher verwiesen. Anschließend wird Gerhard von Schwarzburg getadelt, nicht hart genug vorzugehen.

Der Würzburger Stadtrat schmiedet weitere böse Pläne. Hungernde Städter plündern, und der Rat beschließt, die bischöflichen Kornspeicher in Bergtheim zu stürmen. Erneut machen sich die Angreifer wieder lächerlich. Die Würzburger Aufständischen erfahren eine blutige Niederlage. Unter den Siegern sticht besonders der spätere Bischof Johann von Egloffstein hervor, der mit anderen, namentlich genannten Domherren und Rittern gepriesen wird. Gefallene Adlige werden gerühmt, das Strafgericht Bischof Gerhards wird geschildert und gerechtfertigt.

Verschiedene Anhänge, darunter ein bürgerfreundlicher, folgen. In einem dieser Anhänge wird den Würzburgern vorgeworfen, sie hätten ihren Bischof in einem Spottlied als Bader verhöhnt. Dieser habe ihnen jetzt im Wildbad bei Bergtheim blutig eingeheizt.

Überlieferung[Bearbeiten]

Der Text ist in mehreren Handschriften und Abschriften aus dem 16. Jahrhunderts überliefert. Ein Druckexemplar von 1527 galt lange Zeit als verloren, ist heute aber auszugsweise in der Bayerischen Staatsbibliothek vorhanden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Sonja Kerth, Bernhard von Uissigheim: Vom Würzburger Städtekrieg, publiziert am 22.02.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, Onlinefassung (04.07.2018)