Jakob Kunz

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Ehemaliges Wohnhaus von Jakob Kunz in Greußenheim Hs.Nr. 26
Historische Karte Hs.Nr. 26 um 1834
Türstock des ehemaligen Wohnhauses in Greußenheim

Jakob Kunz (* 2. Februar 1797 in Greußenheim; † 23. Juli 1866 ebenda), Wunderheiler oder Wunderdoktor aus Greußenheim.

Leben und Wirken

Jakob Kunz war der Neffe von Martin Michel aus Wittighausen, eines seinerzeit bekannten Wunder-/Geistheilers, der jedoch kinderlos war. Martin Michel holte seinen Neffen nach Wittighausen und ließ ihm eine christliche Erziehung angedeihen mit besondere Hinrichtung auf Frömmigkeit und Gottesfurcht. Da Martin Michel bereits zu Lebzeiten jedoch den größten Teil seines landwirtschaftlichen Vermögens veräußert hatte, kehrte Jakob Kunz wieder nach Greußenheim zurück und übernahm das elterliche überschuldete Anwesen. Erst durch die Erbschaft seines Onkels wurde dies anders. Jakob Kunz erbte als Alleinerbe das gesamte Schrifttum seines Onkels und inklusive den wertvollen geistlichen Büchern. Ferner erbte er ein bedeutsames Kapitalvermögen (83 fl, 20 Kreuzer) und einige wertvolle Fuhren Möbel.

Jakob Kunz heiratete 1817 im Alter von 20 Jahren. Der Ehe entstammten sechs Kinder, wobei zwei gleich bei der Geburt starben. Nach einem gesegneten, arbeitsreichen Leben starb Jakob Kunz, von allen Seiten geachtet und geehrt, am 23. Juli 1866, gerade als der Bruderkrieg tobte. Während des Gefechts von Helmstadt, Roßbrunn, also unweit von Greußenheim, und als der Kanonendonner immer stärker wurde, wurde er morgens um 8.00 Uhr begraben.

Praxis und Ergebnis

Er führte ein frommes Leben und half seinen Mitmenschen durch ein wirksames Gebet. Von überall her eilten die Heilsuchenden und Kranken, oft 30-40 Stunden weit, herbei, um Trost, Hilfe und Heilung zu suchen. „Der Herr segnete sein frommes Tun“, wie viele Dankschreiben an ihn belegen.

Teufelsaustreibung

Mit Hilfe des damals in Greußenheim wirkenden Kooperators Dr. Karl Michael Bollermann, einem gebürtigen Würzburger (Pfarrer und Mathematiklehrer), trieb er sogar Teufel aus. Der Volksmund wusste davon zu sagen: „Jakele, du würdest mir nichts machen, wenn nicht der Schwarze (gemeint war der Priester Bollermann) dahinter stünde!“

Zeitraum seiner Tätigkeit

Seine Haupttätigkeit fiel in den Anfang der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts. Sie endete mit einer öffentlichen Unterlassungserklärung am 25. April 1834.

Widerstand

Es gab auch Widerstand. Jakob Kunz wurde höheren Orts gezwungen, 1834 eine Erklärung in der Würzburger Zeitung loszulassen, dass es von jetzt ab mit dem Heilen ein Ende habe. Doch auf Grund seiner Frömmigkeit und auf Bitten der Heilsuchenden half er immer wieder.

Doch der Widerstand der Amtskirche war wohl doch zu groß, denn er musste öffentlich eine Unterlassungserklärung abgeben. In seiner Ausgabe vom 8. Mai 1834 meldet „Der Bayerische Volksfreund“:

Die „Neue Würzb. Zeit.“ enthält folgende seltsame Erklärung: Ich Endesunterzeichneter erkläre hiermit, dass ich von heute an mit übernatürlicher Hilfleistung in Krankheiten, mittels Gebetes, Hände-Auflegung und Segnens mich auf keine Weise mehr abzugeben, Willens sey, indem ich die feste Überzeugung gewonnen habe, dass mir dieses als einen Laien nicht zusteht. Das Geschehene nehme ich hiermit zurück, und weder Bitten, noch Geschenke, noch Drohungen werden mich bewegen können, fernerhin noch einmal auf besagte Weise in das heilige Amt der Seelsorger Eingriffe zu thun. Dieses diene denjenigen, welche sich in ihrem geistlichen oder leiblichen Anliegen persönlich oder schriftlich an mich wenden möchten, zur Warnung damit sie sich keine vergeblichen Gänge und Kosten machen. Greußenheim, den 25. April 1834, Jakob Kunz

Wohnhaus

Hausspruch

Durch die Erbschaft seines seligen Onkels baute Jakob Kunz im Jahre 1852 ein neues geräumiges Wohnhaus. Über dessen Eingang ließ er einen sinnigen Hausspruch, der so recht seine ganze Lebenseinstellung kennzeichnete, in Stein meißeln:

„Das Haus ist mein
und doch nicht mein.
Kommt ein anderer hinein,
Gehört auch nicht sein.“

Zeugnisse seines segensreichen Handelns

  1. Ich endunterzeichneter Andreas Seitz aus Erlenbach hatte 2 ½ Jahre eine überaus bösen Finger unter fortwährender Schmerzen, allwo ich nach meinem Vermögen Ärzte gebraucht, aber keine Hilfe erhalten konnte, sondern von ihnen beschlossen wurde, dass ich an der Hand lahm würde. Daher habe ich mich zu Jakob Kunz aus Greußenheim gewendet. Durch dessen Segen und vertrauensvolles Gebet im Namen Jesus ist also der Schmerz an der Stelle zurück und von der Stunde an der Finger geheilt. Deshalben der Name des Herrn gepriesen sei. Solches bezeugt: Erlenbach, den 24.März 1833, Andreas Seitz
  2. Ich Endunterzeichneter Otto Funk bekenne der Wahrheit gemäß, dass ich einen Sohn hatte von 17 Jahren, welcher eine bösartige Krankheit 7 Jahre lang, nämlich am Rücken und am rechten Bein zwei offene Wunden hatte, mit großen Schmerzen begleitet, von Ärzten keine Hilfe erhalten konnte, sodass derselbe zuletzt kontrakt wurde und nichts mehr arbeiten konnte. Da also alle menschliche Hilfe vergebens war, habe ich mich an Jakob Kunz gewendet, denselben bittlichst ersucht um einen Gang, und ist dieser mein Sohn, Gott sei gepriesen, von dieser Stunde durch das Gebet des J. Kunz gesund geworden, dass derselbe seinen Geschäften als Bauer vorsteht und dem ersten nicht mehr gleichseiht. Dies geschah im Jahre 1828 laut Unterschrift: gez. Otto Funk
  3. Zeugnis, dass ich Endesunterzeichneter Franz Endrich aus Zellingen schon zweimal ungefähr das erste Mal vor 9 Jahren und zum zweitenmal im vorigen Jahr mit einer schmerzhaften gichtartigen Lähmung ungefähr 4 Monate krank darniedergelegen bin, ohne dass ich die geringsten Geschäfte verrichten konnte, so auch ärztliche Mittel fruchtlos abgingen. In diesem erbarmungsvollen Zustande hatte ich gehört, dass Jakob Kunz von [[Greußenheim im namen Jesu Krankheiten heile. Ich habe mich zu demselben bequemt, ihn bittlichst ersucht um sein Gebet. Er betete über mich und so wurde ich von Stunde an geheilt, dass ich bis jetzt alle meine Berufsgeschäfte wieder verrichte. Dieses bezeugt der Wahrheit gemäß: Greußenheim, den 2.Juni 1833, gez. Franz Endrich
  4. Zeugnis, dass ich unterzeichnete Endrich aus Zellingen ein Kind hatte, welches beinahe ein Viertel Jahr krank war, gelähmt an Händ und Füß, ja ihm sogar in etwas die Sprache verfallen war. In diesen traurigen Tagen haben wir gehört, dass Jakob Kunz aus Greußenheim im Namen Jesus Krankheiten heile, denselben bittlich um sein gebet angefleht. Er betete über das Kind und dasselbe wurde von Tag zu Tag besser und so ganz gut. gez. Anna Maria Endrich, 2.Juni 1833
  5. Zeugnis, Helmstadt, den 6.März 1833
Ich Endunterzeichneter attestiere, dass ich ein Kind habe zwischen 6 und 7 Jahr und ist krank geworden und ich habe zu zwei Doktoren geschickt und hatte keiner eine Krankheit erkennen können und die Medizin, die sie verschrieben haben, ist verbraucht und eingenommen worden und ist aber keine Besserung darauf erfolgt, und das Kind hatte Tag und Nacht geschrien vor Schmerzen auf Herz, Kopf und Beinen und ist bettlägrig geworden und war sehr krank. Also habe ich mich zu Jakob Kunz nach Greußenheim gewendt und kommen lassen, und so er sein Gebet über das Kind vollendet hatte gehabt, so ist das Kind in der nämlichen Viertelstunde vom Bett aufgestanden und hat gar keine Schmerzen mehr gehabt und ist frisch und gesund gewesen und auch gesund geblieben, und was ich geschrieben habe, das ist bei meiner Seele und Seligkeit die Wahrheit, und sollte mir jemand nicht glauben wollen, so bin ich bereit, mich von meinem Ortsseelsorger darüber vernehmen zu lassen. gez. Kaspar Gabel, alt

Geistiger Besitz

Der ganze geistige Besitz des Martin Michel, der zuletzt im Besitz von Jakob Kunz war, ging nach seinem Ableben an Peter Baunach in Karbach über, der auch wie Jakob Kunz die Kranken mit evangelischen Heilmitteln im hl. Namen Jesus gesund machte, heilen wollte, doch nicht mehr alle auf diese Art und Weise. Er griff nebenbei bei leichteren Übeln bereits zur Naturheilkunde. Somit wurde der rein biblische Weg verlassen. Baunach hatte jedoch noch großen Zuspruch. Nach dem Todes Baunachs 1895 versuchte sich dessen Tochter mit Gebetsheilung, doch ohne Erfolg. Dasselbe war mit einer Tochter von Jakob Kunz der Fall.

Bücherverbrennung

Im Jahre 1936 hat eine Tochter von Peter Baunach alle Bücher und Schriften aus dem Nachlass des erfolgreichen Wunderheilers Martin Michel aus Wittighausen, mit denen auch Jakob Kunz großen Erfolg hatte, im Hofe ihres Anwesens in Karbach auf einen Haufen geworfen und unbarmherzig verbrannt.

Ehrenamt

Jakob Kunz war Geschworener beim Schwurgerichtshof in Würzburg im 1.Quartal 1850.

Siehe auch

Quellen

  • Sigmund Lahner, Hptl. a.D., Der „Wunderdoktor“ Martin Michel – Heimatforschung Oberwittighausen
  • Würzburger Stadt- und Landbote, Nr. 32, vom 6.2.1850
  • Der Bayerische Volksfreund, Ausgabe Nr. 71, vom 3. Mai 1834, S. 571