Barockes Hafenareal an der Alten Mainbrücke

Aus WürzburgWiki
Zur Navigation springenZur Suche springen
Ansicht des „Maingärtchens“ von der Alten Mainbrücke im Oktober 2021
Gärtchen im Mai 2017

Das Barocke Hafenareal an der Alten Mainbrücke ist ein in Umgestaltung befindliches Grundstück am Mainufer unterhalb der Alten Mainbrücke.

Lage und Größe

Das mit Mauern eingefasste einstige Gärtchen befindet sich am südlichen Ende der Mainkai-Promenade unmittelbar am Mainufer. Auf der Promenaden- und der Straßenseite ist es von hohen Natursteinmauern umgeben. Im Süden schließt sich das Grundstück des Wasserkraftwerks an der Alten Mainbrücke an. Es ist rund 150 m² groß. Das Eck zum Mainkai bildet ein quadratischer historischer Pavillon. Im ehemaligen Garten befand sich bis 2019 ein großer prägender Walnussbaum.

Zustand Januar 2019

Umgestaltung

Bis 2013 war das Grundstück verpachtet. Im Anschluss wurden von der Stadtverwaltung mehrere Ideen zur zukünftigen Nutzung geprüft und verworfen (Gastronomie, Spielplatz). Als Zielsetzung ist verblieben, dass es eine öffentliche Grünfläche mit hoher Aufenthaltsqualität und ohne Konsumzwang werden soll. Die Stadt hat im Haushalt 2018 68.000 Euro eingestellt für die Gestaltung des Grundstücks und die Sanierung des Pavillons. Mittlerweile wurde bekannt, dass der Nussbaum durch den Hitzesommer 2018 so stark geschädigt wurde, dass er gefällt werden musste. Statt dessen sollte mittig eine Magnolie gepflanzt werden. Zur Mainmühle hin war eine Fliederhecke vorgesehen. Zugänglich wird das Areal sowohl vom Mainkai als auch vom Kranenufer begrenzt. Zum Verweilen werden Sitzbänke laden, die ebenerdig endende Ufermauer wird mit einem Geländer abgesichert. Die Realisierung war zunächst bis Sommer 2019 vorgesehen, wurde vom Gartenamt wegen zahlreicher anderer Aufgaben jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. [1]

Barockes Hafenareal

Im Frühjahr 2021 begann das Gartenamt mit den Bauarbeiten für die Anlage eines kleinen Gärtchens mit einem großen neuen Baum, üppigen Staudenflächen und Sitzmöglichkeiten. Bei den Erdarbeiten zur Herstellung der geplanten Baumgrube stießen Mitarbeiter des Gartenamtes auf einen massiven Mauerwerkskörper aus Natursteinblöcken. Schicht um Schicht wurden die seitlichen Verfüllungen abgetragen, bis eine Lage aus zerkleinertem Buntsandsteinbruch sichtbar wurde. Dieser fällt bei der Bearbeitung von Naturstein an. Unter dieser dünnen, rötlichen Schicht trat schließlich eine geneigte Pflasterfläche zu Tage: die sehr gut erhaltenen Reste einer Slipanlage (Bootsrampe). Daraufhin wurde die gesamte Anlage behutsam durch das Gartenamt freigelegt.

Auf der Südseite begrenzt der erwähnte massive Mauerwerkskörper die Bootsrampe. Er ist mindestens 10,50 m lang und ca. 3 m breit. Die seitlichen Mauerschalen bestehen aus sorgfältig bearbeiteten Kalksteinquadern. Einzelne Blöcke sind über einen Meter lang und bis zu 57 cm hoch. Um ein Verrutschen zu verhindern, ist eine Vielzahl an Steinen mit Eisenklammern verbunden. Die Fixierung der Klammern erfolgte mit Bleiplomben, einer uralten Technik, die vor über 2500 Jahren entwickelt wurde. Sie ist vor allem bei Palästen, Festungen und Wasserbauwerken weit verbreitet. So finden sich auch an der Alten Mainbrücke zahlreiche Eisenklammern. Die nördliche Begrenzung der Bootsrampe ist nahezu identisch beschaffen. Auf ihr steht der bereits erwähnte Pavillon. Zwischen diesen seitlichen Fassungen aus Kalksteinblöcken liegt die eigentliche Bootsrampe aus Kalksteinpflaster. Sie ist etwa 7,5 m breit und in weiten Teilen hervorragend erhalten. Mit über 20% ist die Neigung der Fläche beträchtlich. Dessen ungeachtet wurde die Bootsrampe offensichtlich intensiv genutzt. Darauf lassen die glatten Oberflächen der verwendeten Pflastersteine schließen. Zum Vertäuen der Boote dienten die in die Seitenwände eingelassenen beweglichen Eisenringe.

Vor diesem Hintergrund muss das ursprünglich als Gartenpavillon gedeutete kleine Bauwerk neu bewertet werden. Dessen Abschlussgesims ist aufwändig und filigran aus den verwendeten Muschelkalkblöcken herausgearbeitet. Die Ecken des Pavillons sind allseitig abgerundet und gegenüber den seitlichen Wandflächen leicht vertieft. Diese Details legten den Verdacht nahe, dass es sich ursprünglich um ein freistehendes Bauwerk handelte. Der Zweck des Gebäudes und das Alter waren aber nicht einzuordnen, weshalb der Pavillon über viele Jahrzehnte als Gartenpavillon bezeichnet wurde. Sehr wahrscheinlich handelt es sich eher um einen Aufsichtspavillon, von dem aus die Be- und Entladevorgänge auf der Rampe überwacht wurden. Die sorgfältige Ausführung und die exquisiten Details lassen auf ein von der Obrigkeit beauftragtes Bauwerk schließen. Aufgrund seiner abgerundeten Ecken lässt sich der Aufsichtspavillon und damit die Bootsrampe sicher in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datieren. Hier wurde ein für den fränkischen Barock charakteristisches Architekturmotiv herrschaftlicher Monumentalbauten auf einen Zweckbau übertragen.

Das Ende der Nutzung der Bootsrampe kam spätesten Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau eines Überlaufkanales aus Klinkern in die geneigte Fläche. In diesem Zusammenhang wurden der Bereich zwischen den seitlichen Begrenzungsmauern verfüllt und die Öffnung zum Main hin verschlossen. Daraufhin setzte für die Bootsrampe ein über hundertjähriger Dornröschenschlaf ein.

Ausgrabungen Oktober 2021

Instandsetzung des barocken Hafenareals

Am 20. Oktober 2021 stimmte der Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschuss in seiner 15. Sitzung dem Entwurf des Gartenamtes für die Aufwertung des Mainkais und Instandsetzung des barocken Hafenareales mit Bootsrampe zu. Die Verwaltung wurde beauftragt, auf der Basis dieses Entwurfes eine Detailplanung in zwei Bauabschnitten auszuarbeiten und den Baubeginn für den ersten Bauabschnitt (Aufwertung Mainkai) im Herbst 2021 sicherzustellen. [2]

Die vorbereitenden Arbeiten zur Aufwertung der Mainkaipromenade begannen am 2. November 2021. Danach ist die Instandsetzung des freigelegten barocken Hafenareales geplant. In einem ersten Schritt ist die Verlegung von drei Leitungen, die momentan noch das Areal queren, wie auch das Versetzen eines Schachtes vorgesehen. Hierfür laufen momentan die Vorabstimmungen. Alle weiteren Arbeiten sind vom Eingang der Spenden und Zuwendungen abhängig. Hierbei greift das Gartenamt auf einen erfahrenen Spezialisten für Denkmalpflege zurück, der ein feines Gespür für die barocke Bausubstanz besitzt. Für die Instandsetzung des Überraschungsfundes barockes Hafenareal ist das Gartenamt auf Spenden von Vereinen, Stiftungen und aus der Bürgerschaft angewiesen. Die im aktuellen Haushalt eingestellten Mittel in Höhe von 66.000 Euro reichen lediglich für die vorbereitenden Arbeiten, wie die Verlegung von drei Leitungen und eines Schachtes sowie die Sicherung des freigelegten Überlaufkanales. Insgesamt fehlen dem Gartenamt 174.000 Euro. Zwischenzeitlich ist das barocke Hafenareal vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal unter Schutz gestellt worden. Damit sind Spenden von der Steuer absetzbar. [3]

Denkmalliste

In der Liste der Baudenkmäler in Würzburg ist das barocke Hafenareal unter der Nummer D-6-63-000-1158 zu finden:
„Ehem. Wärterhaus mit Lade- u. Bootsrampe, wohl zum ehem. Holzhafen gehörig, eingeschossiger würfelförmiger Zeltdachbau mit gerundeten Gebäudeecken, um 1730; Lade- und Bootsrampe mit Flankenmauern aus Werkstein und Kalksteinpflaster, gleichzeitig.“

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

Kartenausschnitt

Die Karte wird geladen …