Albrecht Becker

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Albrecht Becker bei seinem Auftritt 1998 anlässlich des 15. SchwuLesbischen Filmfestes Würzburg
„Mond im Skorpion“ im Programmheft des 15. SchwuLesbischen Filmfestes 1998

Walter Albrecht Becker (* 14. November 1906 in Thale; † 22. April 2002 in Hamburg) war Dekorateur und Szenenbildner.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Als Sohn des Bäckermeisters Otto August Becker und seiner Ehefrau Charlotte, geborene Grosse, besuchte er von 1913 bis 1921 in Thale die Schule, entwickelte im Alter von 12, 13 Jahren großes Interesse für das Fotografieren und hatte mit 14 Jahren erste sexuelle Kontakte zu Männern. Seit er als 13jähriger sein erstes Foto knipste, hat Albrecht Becker sich und seine Umgebung fotografiert. Nach dem Ende der Schulzeit machte Becker in Quedlinburg eine Lehre in einem Geschäft für Herren- und Damenmoden. Während dieser Zeit lernte er homosexuelle Männer kennen, ohne wirklich zu wissen, was homosexuell bedeutet.

Nach seiner Lehre ging Becker auf das Technikum für Textilkunst in Reutlingen. In Süddeutschland lernte er den Historiker Dr. Joseph Friedrich Abert kennen, bald darauf Direktor des Staatsarchivs Würzburg und Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg in Würzburg, der Becker nach Würzburg kommen ließ und ihm eine Stellung als Schaufensterdekorateur im Modewarengeschäft „Rom & Wagner“ vermittelte. 1927 zog Becker zu Abert, der ihn mit Literatur, Theater und Kunst vertraut machte. Beide verband eine mehr als zehnjährige enge sexuell geprägte Freundschaft.

Becker galt in Würzburg als eleganter junger Mann; seine Freunde waren eher konservativ; er selbst scheint apolitisch und politisch uninformiert gewesen zu sein. Jedenfalls traf ihn seine Verhaftung am 3. Januar 1935 vollkommen überraschend. Becker sagte später, ihm sei bei den Verhören klar geworden, dass es bei seiner Festnahme gar nicht um ihn gegangen sei, sondern um Abert, „den konservativen Bürger, den Superkatholiken, der auch Mitglied der SA war und den sie immer schon als Spion in ihren eigenen Reihen angesehen hatten.“ Becker wurde wegen Vergehens gegen den § 175 RStGB zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Nürnberg verbüßte. Nach seiner Entlassung aus der Strafanstalt am 8. Januar 1938 kehrte Becker nach Würzburg zurück, wo er beruflich wieder Fuß fasste.

1940 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde im Mai 1940 eingezogen und 1941 an der Ostfront eingesetzt. Eine Verwundung am 21. August 1944 bedeutete eine positive Wende im Leben Beckers. Er lernte während seiner Genesung in Würzburg den Filmarchitekten Herbert Kirchhoff kennen, der sich beruflich in Würzburg aufhielt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges holte Kirchhoff ihn 1946 nach Hamburg, wies ihn in die Filmarchitektur ein, machte ihn zu seinem Assistenten und schließlich zu seinem gleichberechtigten Partner als Filmarchitekt. Aus der intensiven Zusammenarbeit entwickelte sich ein enges persönliches Verhältnis, das erst mit Kirchhoffs Tod am 24. September 1988 endetet.

Letzter öffentlicher Auftritt in Würzburg[Bearbeiten]

Seinen letzten öffentlichen Auftritt in Würzburg hatte der 91jährige Becker beim 15. SchwuLesbischen Filmfest am 25. Januar 1998 in der Evangelischen Studentengemeinde Würzburg. Hier stellte er seinen Film „Mond im Skorpion - Albrecht Becker über sich“ (Deutschland 1997) vor. In dem Dokumentarfilm erinnert sich Becker an die Ereignisse unter dem Nazi-Regime. Trotzdem überwiegen in seinen Lebenserinnerungen der Humor und die positive Einstellung.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1957: Bundesfilmpreis in Gold für die Ausstattung des Käutner-Films „Der Hauptmann von Köpenick“
  • 1961: Bundesfilmpreis in Gold für die beste Architektur des Films „Das Glas Wasser“

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Rosenkranz, Gottfried Lorenz: Hamburg auf anderen Wegen: Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. Himmelstürmer Verlag, Hamburg 2012, 384 S.
  • Andreas Sternweiler: Fotos sind mein Leben: Albrecht Becker. Verlag rosa Winkel GmbH, Berlin 1993
  • Geschichte der Würzburger Schwulengruppe WüHSt und des WuF-Zentrums. Archiv Günter und Wolfgang Keller

Weblinks[Bearbeiten]