Reuerinnenkloster

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Das Reuerinnenkloster St. Maria Magdalena war eine Niederlassung des Lazaritenordens [1] der Schwestern der büßenden Magdalena in der Sanderstraße.

Ordensgründer

Gründer des Frauenordens war der Kanoniker Rudolf, der 1224 zunächst in Worms eine Art Sozialstation errichtet hatte, aus der der Orden der Magdalenerinnen oder Reuerinnen hervorging. Seine Häuser boten gesellschaftlich geächteten Frauen mit dem klösterlichen Leben eine neue Perspektive.

Geschichte

Die Sorge um das eigene Seelenheil und soziales Engagement führten in den Städten des 13. Jahrhunderts zur Stiftung zahlreicher neuer Klöster und Spitäler, die sich um Arme, Kranke und Randgruppen kümmerten. So entstand in einem Garten der Vorstadt Sand das Reuerinnenkloster, das ein Haus für ehemalige Prostituierte unterhielt und am 10. Juni 1227 erstmals urkundlich erwähnt wird. Im gleichen Jahr erhielten die Nonnen die päpstliche Anerkennung durch Gregor IX., der ihnen die Ordensregeln der Zisterzienserinnen bestätigt, weshalb die geistliche Aufsicht der Zisterzienserabtei Ebrach oblag.

Die Reuerinnen lebten zunächst ausschließlich von milden Gaben. Bald darauf durfte das Kloster jedoch auch Besitz erwerben. Ab dem Jahr 1251 wurden unbescholtene Frauen aufgenommen, jedoch verhinderte die Gründungsgeschichte lange Zeit, dass Frauen aus angesehenen Familien bei den Reuerinnen eintraten. Der erste Bau der Klosterkirche stammt aus den Jahren 1254 bis 1255.

1286 erhielt der Würzburger Domdekan zusammen mit dem Generalpropst der Reuerinnen die Aufsicht über die Ordensgemeinschaft. Zugleich wurde die finanzielle Ausstattung des Klosters vergrößert, um nun auch eine Mädchenschule betreiben zu können.

Ordensregeln

Um 1274 wechselte die Würzburger Gemeinschaft zur Regel des hl. Augustinus, die der Papst eigentlich schon 1232 für den Orden vorgeschrieben hatte. Für die Schwestern galt ab 1286 die Klausur und die Pflicht zum Stundengebet. Als äußeres Zeichen wechselte die Farbe des Habits von weiß auf schwarz.

Ende der Reuerinnen

Entweder aufgrund der große Dichten an geistlichen Instituten in Würzburg oder als Auswirkung der Reformation bestand 1547 der Konvent nur noch aus vier Nonnen und 1564 galt das Kloster der Reuerinnen als ausgestorben. Am 15. Oktober 1627 wurde das Kloster samt Kirche an die Unbeschuhten Karmeliten übergeben.

Reuerer im heutigen Sprachschatz

Der Stadtbezirk rund um das ehemalige Reuerinnenkloster wird auch heute noch Reuererviertel genannt und auch die heute dort ansässigen unbeschuhten Karmeliten werden fälschlicherweise als Reuerer bezeichnet.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Wehner (Bearb.): Realschematismus der Diözese Würzburg. Dekanat Würzburg-Stadt, 1992, S. 139
  • Franziska Hauck: Zum Gedächtnis. Gedenktafeln der Würzburger Innenstadt. 2010, S. 27

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Da sie zu jener Zeit auch in der Krankenpflege tätig war, nannten sie sich auch Lazariterinnen.