Oskar Schultze

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oskar Schultze

Prof. Dr. Dr. h.c. Oskar Maximilian Sigismund Schultze, auch Oscar Schultze (* 10. August 1859 in Bonn; † 28. oder 30. Juni 1920 in Würzburg) war Anatomie-Professor in Würzburg.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Schon Oskars Großvater, Hofrat Karl August Sigismund Schultze (1795-1877), war in Freiburg und Greifswald Anatom (und Physiologe). Dieser wurde 1830 von Freiburg aus als Professor für Anatomie, Physiologie und Pathologische Anatomie nach Greifswald berufen. Oskar Schultzes Vater war der Anatom und Zoologe Max Johann Sigismund Schultze (* 25. März 1825 in Freiburg im Breisgau; † 16. Januar 1874 in Bonn), seine Mutter - sie starb als Oskar 15 Jahre alt war - stammte aus der Philologen- und Pädagogenfamilie Bellermann.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach Abschluss des Gymnasiums wurde Oskar Schultze in Bonn Volontärassistent bei dem Nachfolger seines Vaters, dem vergleichenden Anatom Franz Leydig. Sein weiteres Studium absolvierte er in Jena und Berlin. 1883 wurde er in Bonn mit seiner medizinischen Dissertation „Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Batrachier“ promoviert.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Nach seiner Zeit bei Leydig kam Schultze 1884 als Prosektor für vergleichende Anatomie, Histologie und Embryologie nach Würzburg an das von Albert von Koelliker geleitete Anatomische Institut. Hier habilitierte er sich 1889 (mit der 1888 verfassten Schrift „Die Entwicklung der Keimblätter und der Chorda dorsalis von Rana fusca“) und wurde 1891 außerordentlicher Professor für Topographische Anatomie. 1911 wurde Schultze zum ordentlichern Professor der Anatomie berufen und trat bald darauf bis zu seinem Tod die Nachfolge von Philipp Stöhr als Institutsvorstand an. Nachfolger von Schultze wurde 1921 Hermann Braus.

Wissenschaftliches Werk[Bearbeiten]

Sein wissenschaftliches Werk umfasst experimentell-biologische (Erzeugung von Doppelmissbildungen an Froschembryonen 1894 und 1899) und entwicklungsgeschichtliche Arbeiten (embryonale und bleibende Segmentierung, Entdeckung der Milchdrüsenanlage[1] 1892, Entwicklung der Netzhautgefäße), die ihn auch mit den Vorstellungen Ernst Haeckels und Carl Gegenbaurs konfrontierten, sowie Forschungen zur Entstehung der peripheren Nerven, zur Muskel-Sehnen-Beziehung und zu histologischen Färbemethoden (z.B. Versilberung).

1914 stellte sein Institut zu einer Arbeitsstätte für den Heimatdienst um. Er selbst unterrichtete in dieser Zeit Krankenpfleger und die Forschungs- und Lehrtätigkeiten des Anatomischen Instituts lagen, abgesehen von der Entwicklung einer Versilberungsmethode von Nervenzellen und der Habilitation seines Mitarbeiters Vonwiller, weitgehend brach. Erst gegen Ende des Krieges begann er wieder wissenschaftlich zu arbeiten.

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten]

Schultze initiierte 1905 die Errichtung des Bismarckturms im Bismarckwäldchen.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrendoktor der Universität Athen

Veröffentlichungen (Auszug)[Bearbeiten]

  • Zur ersten Entwicklung des braunen Grasfrosches. Gratulationsschrift für A. v. Koelliker, Leipzig 1887 (Polemik. Online: http://dx.doi.org/10.5962/bhl.title.9065)
  • Über die Zellteilung, Sitz.-Ber. phys.-med. Ges. 1890
  • Grundriss der Entwicklungsgeschichte des Menschen und der Säugethiere. Für Studierende und Ärzte, Engelmann, Leipzig 1897
  • Atlas und Grundriss der topographischen und angewandten Anatomie, Lehmann, München 1903
  • Über die Entwicklung der Netzhautgefäße, Verhdlg. der Anat. Ges. München. 1891
  • Milchdrüsenentwicklung und Polymastie, Sitz.-Ber. phys.-med. Ges. 1892
  • Demonstration eines neuen Schneideapparates für große Schnitte, Sitzgsber. phys.-med. Ges. 1892
  • Über die embryonale und bleibende Segmentierung, Verh. anat. Ges. 1896
  • Demonstrationen neuer Konservierungen mit Erhaltung der natürlichen Färbung menschlicher und tierischer Präparate, Sitzgsber. phys.-med. Ges. 1898
  • Über die Entwicklung des peripherischen Nervensystems, Verhdlg, Anat. Ges. 1904
  • Weiteres zur Entwicklung der peripherischen Nerven mit Berücksichtigung der Regenerationsfrage nach Nervenverletzungen, Verh. phys.-med. Ges. 1905
  • Albert v. Koelliker. Nachruf, Med. Klinik 1905
  • Das Weib in anthropologischer Betrachtung, Würzburg, Stubers Verlag. 1906
  • Die Kontinuität der Muskelfibrillen und Sehnenfibrillen, Sitzesber. phys.-med. Ges. 1910.
  • Gedächtnisrede auf Philipp Stöhr,Curt-Kabitzsch-Verlag, Würzburg 1912

Hinweise[Bearbeiten]

  1. Milchleiste

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Lubosch: Oskar Schultze (gest. 28. Juni 1920), Anatomischer Anzeiger 54 (1921), S. 411-428
  • Reinhard Hildebrand: Rudolf Albert von Koelliker und sein Kreis, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 3 (1985), S. 126-151, S. 142
  • Theodor Heinrich Schiebler: Anatomie in Würzburg (von 1593 bis zur Gegenwart), in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 985-1004, S. 996 f.

Weblinks[Bearbeiten]