Zollstock (Untereisenheim)

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„Zollstock“ in Untereisenheim

Der Zollstock ist ein denkmalgeschützer Bildstock aus dem frühen 17. Jahrhundert in Untereisenheim.

Lage[Bearbeiten]

Der Bildstock steht in der Landwehrstraße gegenüber des Anwesens Nr. 15.

Sage[Bearbeiten]

Unweit des Dorfes, in der Schlucht, über die heute eine Steinbrücke führt, hauste in alter Zeit ein scheußlicher Drache. Schon viele Menschen hatte das Untier aufgefressen, es war ein Schrecken für die ganze Gegend. Da beschloss ein edler und mutiger Mann, das Dorf von dem Ungeheuer zu befreien. In der Nähe der Schlucht band er sein Pferd an einen Baum und stieg hinab zur Höhle des Drachen. Flammen und Rauch speiend wälzte sich das Ungeheuer heran. Da prasselten die Schwerthiebe des mutigen Kämpfers auf den horn-gepanzerten Drachenkopf. Von des Untiers giftigem Schwefelhauch fast ohnmächtig, glaubte der Tapfere erliegen zu müssen, da traf er mit hartem Hieb das Auge des Drachen.

Vor Schmerz bäumte sich dieser auf, da stieß ihm der tapfere Held sein Schwert tief ins Herz. Zu Tode getroffen schlug der Lindwurm um sich und verendete in seinem Blute. Schon schritt der kühne Drachentöter zu seinem Pferd zurück; da sah er zu seinem Schrecken, wie sich eine giftige Schlange mit einer goldenen Krone auf dem Kopf auf ihn zuschlängelte. Er eilte, doch kaum war er aufs Pferd gesprungen, war auch die Schlange schon da und ringelte sich am Bein des Rosses empor. Da rief er Gott um Hilfe an; sie blieb nicht aus: die Schlange biss sich am Pferde fest, – urplötzlich gelähmt, stürzte es tot zusammen. Der Mann sprang aus dem Sattel und lief ins Dorf. Mit freudigen Rufen priesen ihn alle als Retter aus höchster Not. Er aber wusste, dass er sein Leben nur der Hilfe des Allmächtigen zu verdanken hatte, und ließ an der Stelle, wo das tote Pferd lag, einen Bildstock setzen. Der ist längst schon zerfallen, doch die Untereisenheimer ließen an seiner Stelle einen neuen errichten; sie nennen ihn den „Zollstock“.

Beschreibung[Bearbeiten]

„Bildstock, sogenannter „Zollstock“, Reliefaufsatz mit Kreuztragungszene, darunter Stifterfamilie das Kreuz anbetend sowie Echterwappen, auf Säule über Postament, Sandstein, bezeichnet 1608 und 1609.“

Die älteste, künstlerisch wertvollste, noch von der Renaissance beieinflusste Marter in Untereisenheim, von ihrem Stifter Hanns Gertner für den heutigen Standort an der Landwehrstraße bestimmt. Das reiche Relief zeigt unter anderem das in Franken seltene Motiv „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch dar“. [1]

Die Kosten für die Renovierung 1949 hatte Alfons Bandorf übernommen.

Aufbau[Bearbeiten]

Voluten und Akanthusblättern sowie rechts in Kartuschen Berufssymbol mit Stifterhinweis: Beil mit Herz sowie „J.J.“ und links Berufssymbol: Gekreuzte Beile und drei Blumen und Buchstaben „H.G.“ [2], in der Mitte des Zwischenstückes Kartusche mit Echterwappen (diagonal angeordnet), Wappen des Bistums Würzburg (Fränkischer Rechen), sowie das Wappen des Herzogtums Franken (Rennfähnlein). Aufsatz von gezierten Pilastern, mit Seraphime und Früchtefeston, flankiert von seitlich links im Medaillon zu sehendem bärtigen Haupt (Johannes der Täufer) und rechts dem Hl. Georg, unter profiliertem Rundbogenabschluss und Bekrönungskreuz.

Ikonografie[Bearbeiten]

  • Aufsatzvorderseite: Relief des Weges nach Golgatha
  • Zwischenstückvorderseite; Relief mit der Stifterfamilie (links 5 männliche und rechts 3 weibliche Personen)
  • Aufsatz seitlich rechts: Relief des Hl. Georg

Inschriften[Bearbeiten]

  • Rundbogenabschluss: Fürwar Er Trug unsere Kranckheit und lud auff sich unser schmertzen / Wir aber hielten In für den der von Gott geschlagt ESAI 53 (Zitat aus den sogenannten Gottesknechtliedern des Isaias)
  • Zwischenstückvorderseite beiderseits des Wappen: 1608
  • Aufsatzrückseite: Den 6 May Anno 1609 Hatt Hanns Gertner alhier uff seines vorfahren Georg Jacobs begehren Gott dem allmächtigen zu Ehrn dieser Marter zu gedächtnuss gestifft und an diesen Ort Aufrichten lassen
Zur Inschrift auf der Rückseite: „Nach dem Tode von Jörg Jakob (J.J.), von Beruf Metzger und Mitglied des Dorfgerichts, vermählt sich Witwe Margaretha 1604 mit Hanns Gertner (H.G.), Metzger aus Schonungen. Margaretha muss zwischen 1613 und 1617 verstorben sein, denn Gertner ehelicht 1617 Walburga Walt aus Schnackenwerth.“ [1]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Eisenheim, Nr. D-6-79-167-60
  • Infotafel des Bildstockwegs Eisenheim
  • Inventar religiöser Kleindenkmale im nördlichen Landkreis Würzburg (Gemeinden mit Ortsteilen), Abschnitt XVII, Universitätsbibliothek Würzburg, S. 291 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Infotafel Bildstockweg Eisenheim
  2. Die linke Kartusche (H.G.) verweist auf den Stifter, die rechte auf seinen „Vorfahren“ (J.J.). Quelle: Infotafel Bildstockweg Eisenheim

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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