Ochsenfurter Gautracht

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Ochsenfurter Trachtengruppe im Jahr 1960

Die Ochsenfurter Gautracht stammt aus dem Ochsenfurter Gau, zählt zu den bekanntesten Volkstrachten in Bayern und gilt als typisch fränkische historische Bekleidungsform.

Geschichte

Die Tracht entstand vor 1850. Im überwiegend römisch-katholischen Unterfranken waren die Trachten, vor allem bei den Frauen, sehr farbenfroh, während in evangelich-lutherischen Orten die Tracht eher dezent gehalten war. Zwischen 1925 und 1930 änderte sich die Tracht, indem Frauen nun ein Kopftuch trugen und Männer eine Pelzkappe. Sie war bereits im 1860 bei den Bauern abgelegt worden, wurde aber von den Trachtenvereinen um 1925 wiederentdeckt. Während die Männertracht bereits vor dem Ersten Weltkrieg verschwand, ist die Frauentracht teilweise bis heute erhalten geblieben.

Historisches „Facebook“

In früherer Zeit ließ die Tracht durch Schleifensitz der Schürze, Farben und Ausstattung auf persönliche Daten der Trägerin bzw des Trägers schließen, wie Religionszugehörigkeit, Vermögensverhältnisse und Familienstand.

Männertracht

Bei den Männern war die Tracht relativ einheitlich, wie auch in weiten unterfränkischen Gebieten entlang des Mains.

Kopfbedeckung

Typische Kopfbedeckung bei der Männertracht ist der fränkische Dreispitz, ein großer dreieckiger Filzhut. Unter ihm trug der Mann manchmal noch eine lange Zipfelmütze mit einer Quaste, die unter dem Dreispitz hervorlugte.

Bekleidung

Die Männertracht bestand aus einer hirschledernen Kniebundhose, einer roten Weste mit großen Silberknöpfen und einer Jacke, die mit kleinen silbernen Knöpfen verziert war. Die Anzahl der Knöpfe ließ dabei Rückschlüsse auf den Vermögensstand des Trägers zu. Sonntags ersetzte ein Gehrock mit langen Schößen die Jacke. Die Haferlschuhe waren aus derbem schwarzen Leder gefertigt und mit einer großen Silberschnalle verziert.

Frauentracht

Auf dem Kopf hatten die Frauen bis etwa 1900 eine Bänderhaube, danach nur noch zu vereinzelten besonderen Anlässen. Sie wurde um 1925 durch ein Kopftuch ersetzt, das allerdings nur von verheirateten Frauen getragen wurde. Besonders auffällig war eine schwere reichverzierte Goldkette mit einem großen Kreuz. Von der Größe der einzelnen Stücke konnte man auf den Reichtum der Trägerin schließen.

Besondere Merkmale

Der auffälligste Teil der Frauentracht war der Mutzen, eine kurze Jacke, die aufwändig mit Plättchen, Perlen, Gold- und Silberfäden bestickt war. Eine Bäuerin besaß eine Vielzahl von Mutzen, die entsprechend dem Anlaß, zu dem er getragen werden sollte, verschieden aufwändig gearbeitet waren. Neben dem Mutzen war die Seidenschürze der augenfälligste Teil der Frauentracht. Eine breite Zierborte bildete mittig ein "M". Auch die Schürze existierte in unterschiedlichsten Ausführungen, entsprechend den verschiedenen Anlässen.

Die Tracht im Kirchenjahr

Die prächtigste Ausstattung, die hohe Festtagstracht, wurde nur ausschließlich an den höchsten kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder Kirchenpatrozinium getragen. An Feiertagen mit geringerer Bedeutung war die Tracht etwas schlichter durch kleine Veränderungen in Farbe und Form. An dleinen Feiertagen wurde die Tracht noch einmal eine Stufe einfacher getragen. Neben der Tracht für die Feiertage gab es eine vereinfachte Form für den gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst.

Die Tracht im Trauerfall

Bei Trauerfällen war eine mehrfach abgestufte Trauertracht üblich. Die Tieftrauertracht wurde beim Tod naher Verwandter getragen. Sie war fast ganz in schwarz gehalten, einziger Schmuck waren silberne Verzierungen. Die Tieftrauer dauerte ein Jahr, danach begann das Abtrauern, die Tracht war dann nicht mehr schwarz, sondern in dunklen Farben gehalten.

Mädchentracht

Die Mädchentracht bestand aus Kittel, Schultertuch und Seidenschürze. Das als Kopfbedeckung dienende Kränzchen wurde nur zur Erstkommunion, bei Prozessionen und Tauffeiern oder bei Hochzeiten und bei der Firmung getragen.

Siehe auch

Weblinks