Merve Giehl

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Merve Giehl (* 1. März 1945 in Neuburg/Donau) ist Architektin, Bildhauerin und Kulturförderpreisträgerin der Stadt Würzburg 1982.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Merve absolvierte eine Schreinerlehre und studierte Innenarchitektur an der Akademie der bildenden Künste München. In Würzburg, wo sie seit 1971 lebt, wandte sie sich um 1979 als Autodidaktin der Bildhauerei zu. Sie arbeitete von 1980 bis 1991 im Marchinger Steinbruch, seit 1991 im Steinbruch Oberau bei Kelheim. Materialien und Inspiration schöpft sie aus Geschichte und Natur des Solnhofener Gesteins.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Merve Giehl arbeitet mit Materialien wie Papier, Gewebe, Holz und Federn und kombiniert diese zu plastischen Gebilden oder hüllt Alltagsgegenstände ein.

Merves zermürbende Schaffenskraft schöpft sie aus den Bildern ihrer Kindheit und dem Steinbruch ihres Vaters, dessen Historie sie selbstzerstörerisch antreibt. Und so fühlt sie sich nicht als Künstlerin, sondern als Arbeiterin.

Hinterlassenschaften im Steinbruch - akribisch gesammelt - verleiht sie Unsterblichkeit und Würde: In der ersten Schaffensperiode in beschrifteten Acryllvitrinen präsentiert, später dann - vielleicht aus Sorge vor Verwesung - mumifiziert in Leinentüchern, die sie in ihrem Steinbruch vergräbt-begräbt, um sie dann in den erdfarbenen Tönen des Solnhofner Steins als Leichentücher zu nutzen. Damit Vergangenes nicht in Vergessenheit gerät, im Wissen, dass sich alles auflösen wird. In ihren neusten Arbeiten sind die Alltagsgegenstände schon entwichen, es bleiben als Zeugen nur die aufgerissenen Hüllen. Nicht nur Gegenstände lösen sich auf, auch das Schicksal der namenlosen und ausgebeuteten Arbeiter, denen sie gehörten und die sie benutzt haben, werden unabänderlich vergessen. Merve setzt dem Vergessen durch ihre Arbeit im idyllischen Altmühltal ein hilfloses Zeichen. Sie weiß, auch ihre Arbeiten sind vergänglich.

Ihre Arbeiten weisen aber weit über das hinaus und stellen die quälenden Fragen nach dem Sinn unserer Stippvisite auf dem blauen Planeten mit unerbittlicher Intensität.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Gruppenausstellungen

  • 1983 Galerie Heimeshoff, Essen
  • 1984 Landertsham
  • 1985 Galerie Ganserhaus, Wasserburg
  • 1991 Marmelsteiner Kabinett (Diözese), Würzburg
  • 1993 Galerie Hartl und Klier, Tübingen
  • 1998 Oberpfälzer Künstlerhaus, Schwandorf
  • 1998 Dolina-Gewölbe, Riedenburg
  • 2000 Villa Kobehaus, Halle a.d. Saale
  • 2000 Kloster Weltenburg
  • 2002 Kloster Weltenburg
  • 2014 St. Klara, Museum Obermünster, Regensburg

Einzelausstellungen

  • 1982 Galerie/Museum der Stadt Würzburg
  • 1986 Galerie Hartl&Klier, Tübingen
  • 1990 Galerie Bauer&Bloessl, Nürnberg
  • 1991 Cubus Kunsthalle, Duisburg
  • 1996 Altes Schloss, Bibliothekssaal, Herrenchiemsee
  • 1998 Kunstraum Eching
  • 2002 Künstlerhof Oberndorf, Schweinfurt
  • 2004 Minoritenkirche, Museum Stadt Regensburg

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Prof. Dr. Hans Brög: Merve – "Innere Notwendigkeit". Cubus Kunsthalle Duisburg 1991
  • Hanspeter Krellmann: Landschaften eines Stillstands. Zu Merves verhüllten Erinnerungsmalen. In: Oper aktuell. Die Bayrische Staatsoper 2000/2001. München 2000, S 119-127
  • "MERVE. Ort und Erinnerung. Ausstellungskatalog des historischen Museums Regensburg mit einer Einführung von Martin Angerer und Fotografien von Klaus Giehl, Regensburg 2005, 63 S.
  • Hannspeter Krellmann: MERVE. Landschaften eines Stillstands. In: Gegenüberstellungen. Brücke zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Regensburg 2014, S. 70 f
  • Dr. Franz Träger: „Wir haben dir keinen festen Wohnsitz gegeben.“ In: Ort der Erinnerung II, Katalog zu Merves gesammelten Werken, Ingolstadt 2017
  • Dr.Christine Fuchs: Vorwort zu Ort und Erinnerung II, Katalog zu Merves gesammelten Werken, Ingolstadt 2017

Weblinks[Bearbeiten]