Hans Kühner

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Der Würzburger Hans Kühner übte einen seltenen und fast ausgestorbenen Beruf aus, den eines Notenstechers.

Berufsbild

Auch heute geht immer noch die überwiegende Anzahl verkaufter Notenblätter für Musiker und Sänger auf manuell gestochene Druckvorlagen zurück. Wie schon vor Hunderten von Jahren wird eine Originalhandschrift eines Komponisten auf millimeterdünne Bleiplatten gestempelt oder ähnlich dem Kupferstich in das Metall gestochen. Dieses dient dann als Ur-Vorlage zur Vervielfältigung.

Arbeitsweise

Zuerst wird das Manuskript auf die Bleiplatten vorskizziert. Mit einem fünflinigen Rastral werden die Notenzeilen gezogen. Dann kommen entsprechend der Vorlage die Taktstriche, die mit einem Stichel aus dem Blei herausgearbeitet werden. Mit einem Stempelkasten, in dem einzelne Noten (Ganze- und Halbenoten, Bass- oder Violinschlüssel, Vorzeichen usw. enthalten sind, werden diese mit einem Hämmerchen in die Platte geprägt. Die Notenhälse wiederum werden per Hand mit dem Stichel ausgearbeitet. Im Gegensatz zu maschinell erstellten Seiten kann ein guter Notenstecher schon während seiner Arbeit dem Musiker durch die Optik ein Gefühl für das Musikstück vermitteln. So kann er schnellere Passagen enger setzen und langsame etwas weiter. Auch kann er den Seitenumbruch so manipulieren, dass beispielsweise der Pianist eine Hand frei und Zeit zum umblättern hat. Schwierig wird es, wenn Fehler auf der Platte auszubessern sind. Dann muss die falsche Note von der Rückseite der Bleiplatte wieder ausgetrieben werden bis die Oberfläche wieder glatt ist, die Notenlinien nachgezogen und die Noten richtig gesetzt werden.

Die Vollendung des Werkes

Der Arbeitsraum des Notenstechermeisters war während der Filmaufnahmen im Keller des Würzburger Kulturspeichers eingerichtet, denn das Gestochene muss ja auch auf Papier kommen. Deshalb arbeitete dort auch der Lithograph Winfried Henkel mit, der versuchte, die fertigen Platten auf einen Stein umzukopieren, wie es einst der Pionier des Steindrucks, Alois Senefelder aus Bad Königshofen in Unterfranken, der Erfinder der Lithografie vorgemacht hat.

Werkstatt

Die eigentliche Werkstatt von Meister Kühner befand sich unterhalb der Festung im Stadtbezirk Zellerau. Dort arbeitete er natürlich auch mit modernen Hilfsmitteln, wie dem Computer. Dabei kam ihm seine jahrelange Erfahrung zu Gute, weshalb er nicht über Mangel an Arbeit zu klagen hatte.

Medienhinweis

Der Bayrische Rundfunk hat im Sommer 2012 über Hans Kühner und seinen seltenen Beruf eine halbstündige Dokumentation erstellt und ausgestrahlt: Der Letzte seines Standes - Der Notenstecher von Würzburg

Weblinks