Platz'scher Garten

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Der Platz'sche Garten war bis 2013 ein großes Gartengrundstück an der Rottendorfer Straße.

Geschichte

Seine alte Hausbezeichnung war: IV. Distrikt 317, später Sanderglacisstraße 2, heute Friedrich-Ebert-Ring 2. [1]

Der Platz'sche Garten war ein Saalbau und vornehmste Gartenwirtschaft in der Biedermeierzeit, in dem lange Zeit exklusive Gesellschaften, Festveranstaltungen und politische Versammlungen stattfanden. Lange war der Zutritt nur abonnierten Personen der höheren Gesellschaft und gebildeter Kreise gestattet [2]. Die Villa des Platz'schen Gartens ließ 1826 der Konditormeister Friedrich Platz in einer Obstgartenanlage vor dem Rennweger Tor für Sommervergnügungen errichten.

Die Pläne des eleganten Restaurants stammten vom Architekten Anton Daug. Er hatte das Gebäude in vornehmen Formen errichten lassen. Nicht zu übersehen waren aber auch Anklänge an italienische Villengebäude. Da das Gelände direkt vor dem Schussfeld (Glacis) der barocken Stadtbefestigung lag, musste sich der Erbauer die Genehmigung des Militärs einholen und zustimmen, dass im Falle eines Krieges das Gebäude abgerissen wird.

Bereits im Baujahr 1826 wurden dem Platz'schen Garten höchste Ehren zuteil. Am 7. Juli 1826, am letzten Tag des Antrittsbesuches König Ludwig I. von Bayern, gab die Stadt ihm zu Ehren hier ein fulminantes Fest. Das um 21 Uhr eintreffende Königspaar wurde enthusiastisch von einer unüberschaubaren Menge begrüßt. Vor dem Eingang stand das Landwehrregiment Parade, während im Saal Magistrat und Gemeindebevollmächtigte begrüßten. Die Spitzen der Gesellschaft mussten warten. Das rauschende Fest dauerte bis nach Mitternacht.

Es fanden alljährlich vom 1. April bis 1. Oktober zehn Tanzgesellschaften, sowie an jedem Donnerstag, Sonn- und Feiertag eine Harmoniemusik statt. Es war seinerzeit der größte Saal der Stadt. Später ging das Etablissement in den Besitz der Herrn Feineis über. Damals gehörte noch ein Anwesen dazu, auf welchem sich bis in die 1860er Jahre eine Ökonomie oder Schweizerei befand, sowie der sogenannte Eckertsgarten. [3] Da die Lokalität sehr beliebt war, wurde der Raum bald zu knapp. Johann Feineis errichtete 1865 die großen Säle. Die sämtlichen Säle mit Galerie hatten etwa 1800 Quadratmeter und fassten 2000 Personen, ebenso der Garten dieselbe Zahl von Gästen.

Im Laufe der Jahre wechselte das Anwesen wiederholt seinen Besitzer. 1866 diente der Saalbau als Lazarett und im Ersten Weltkrieg als Kaserne.

Während des Zweiten Weltkriegs diente der Ort als Sammelstelle für die Deportation der unterfränkischen Juden. Das Gebäude wurde nach der Zerstörung am 16. März 1945 und nach einem provisorischen Teilaufbau vollends abgebrochen.

1955 ging das Grundstück in den Besitz der Benediktinerabtei Münsterschwarzach über, die dort einen Erweiterungsbau des benachbarten Studienkolleg St. Benedikt errichtete und es bis 2010 als Bildungszentrum nutzte. Aus Rentabilitätsgründen wurde das Haus St. Benedikt 2010 geschlossen.

Veranstaltungen

Der Saalbau im italienischen Stil umfasste neben der Restauration auch einen Tanzsaal mit diversen Nebenräumen. Unter den zahlreichen Veranstaltungen waren unter anderem ein Fest zu Ehren Ludwigs I. sowie ein Vortrag von Sebastian Kneipp vor über 2000 Zuhörern. Teilweise wurden die Räumlichkeiten auch für Feierlichkeiten der NSDAP genutzt (unter anderem 1942).

Historische Bildergalerie

Heutige Bebauung des Grundstücks

Der Platz'sche Garten wurde bis zum Jahr 1945 betrieben, das Gebäude wurde am 16. März 1945 völlig zerstört. Lange befand sich an dieser Stelle (Friedrich-Ebert-Ring 2) ein Garten und das Haus Benedikt der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach. Dieses wurde 2010 geschlossen und das Grundstück an Riedel-Bau verkauft, die das gesamte Karrée vierseitig bebauten. Ein Bürgerentscheid 2013 gegen zusätzliche Bebauung entlang der Rottendorfer Straße und der Dürerstraße mit rund 100 Appartements sowie gegen die teilweise Abholzung des Parkartigen Gartens für eine Tiefgarage scheiterte knapp am 10 % Quorum. [4] Am 23. Januar 2014 stimmte der Stadtrat mit 31 Ja-Stimmen und 14 Nein-Stimmen für das Bauprojekt. [5] Die Bürgerinitiative hat dagegen erfolglos mehrere Beschwerden bei der Regierung von Unterfranken eingereicht. [6] Zwischenzeitlich ist die Baumaßnahme beendet.

Deportations-Denkmal

Am Straßenrand befindet sich seit dem 10. November 2010 ein Deportations-Denkmal, das insbesondere an die Sammelstelle zur Deportation Würzburger Juden von 1942 durch die Gestapo und SS-Männer aus Würzburg erinnert.

Siehe auch

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise und Hinweise

Kartenausschnitt

Ehemaliger Standort
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