Noell GmbH

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Ehemaliges Firmenlogo der Noell Crane Systems GmbH

Die Noell Stahl- und Maschinenbau GmbH Würzburg war ein bedeutender Industriebetrieb der Schwerindustrie in Würzburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab 1851 begann Noell mit dem Bau von Eisenbahnwagen und -zubehör, später auch durch Pferdebahnwagen vorübergehend ergänzt, und lieferte u. a. bis nach München und Hamburg. Matthias Noell und sein Bruder errichteten 1853 eine Wagenhalle und Werkstätte vor dem Rennwegtor (Dürerstraße), in der Nähe des Milchgartens (Platzscher Garten). Das Unternehmen wurde in Würzburg als „Eisenbahn-Wagenfabrik“ der „Gebrüder NoeIl“ bekannt.

Am 1. Juli 1854 wurde die Bahnlinie Würzburg-Bamberg eröffnet, am 1. Oktober die Bahnlinie Würzburg-Aschaffenburg. Die darauf verkehrenden Züge bestanden aus, auch von der Noell'schen Fabrik [1] vor den Toren der Stadt gebauten, Personenwagen. Es waren Einzel­Coupe-Wagen, in der 1. und 2. Klasse in geschlossener Bauart, die 3. Klasse war offen. Daneben wurden von Noell auch Güterwagen gebaut.

1879 wurde der Stahlbrückenbau als neuer Produktionszweig eröffnet. 1879/80 war eines der ersten realisierten Objekte die Grombühlbrücke in Würzburg. 1881 firmierte Noell unter Georg Noell & Co. Maschinen- und Eisenbahnbedarfsfabrik und Brückenbauanstalt, beendete die Waggonfertigung und konzentrierte sich auf Eisenbahnbedarf (Signale, Weichen, Kreuzungen). Der vom Eisenbahnbau stark beeinflusste Brückenbau gewann an Bedeutung. 1886 zog das Unternehmen in die neue Fabrik in der Aumühlstraße (heutige Nürnberger Straße).

Um die Jahrhundertwende wurde die Produktpalette um Stahlhochbau und Objekte der Hebe- und Fördertechnik erweitert.

Durch den 1921 beginnenden Ausbau des Mains zur Großschifffahrtsstraße und die Inangriffnahme der Neckar-Kanalisierung bekam Noell nun bedeutende Auf­träge im Stahlwasserbau. Im Zweiten Weltkrieg fungierte Noell als Zulieferer für den U-Boot- und Flugzeugbau und stellte Lafetten für Schwergeschütze her. Am 16. März 1945 wurden beim Angriff auf Würzburg sämtliche Produktionsstätten zerstört.

Eines der ersten Projekte nach dem Krieg war die Errichtung einer Kuppel-Stahlkostruktion für den Wiederaufbau der Würzburger Residenz. Nach 1955 verlor der Sektor Eisenbahnausrüstung für Noell an Bedeutung. Im allgemeinen wirtschaftlichen Aufwärtstrend kamen vermehrt Aufträge im Stahlhochbau (Industriebau, Hallenbau mit Schwerpunkten Werk- und Kranhallen; genormte Hallenkonstruktionen) sowie Expansion im Kranbau (besonders schwere Maschinenhaus-Laufkrane, Kraftwerks- und Hüttenwerkskrane), sowie die Ausweitung des Stahlbrückenbaues und im Stahlwasserbau Antriebe für Wehre und Schleusen.

1967 begann der Einstieg in die Nukleartechnik. 1971 lief die Planung und der Baubeginn des heutigen Werkes in der Dürrbachau an. 1973 firmierte der Betrieb unter Gg. Noell GmbH. und sämtliche Geschäftsanteile wurden an die Salzgitter-Gruppe verkauft. 1977 wurde das Liefer- und Leistungsprogramm auf Lager- und Systemtechnik ausgeweitet. Durch den Erwerb maßgeblicher Anteile an der Firma KRC im Jahr 1981 wurden die Aktivitäten in der Umwelttechnik ausgebaut. 1989 wurden die Geschäftsanteile der Salzgitter von der Preussag übernommen. 1992 begann die Noell-KRC Umwelttechnik GmbH in der Rauchgasreinigung zum führenden Unternehmen in Deutschland zu werden.

Mit der Umbenennung des Unternehmens 1995 in Preussag Noell GmbH begann das Ende der Noell GmbH und die Zerschlagung des Konzerns. Ab jetzt standen nicht mehr der unternehmerische Erfolg im Vordergrund, sondern lediglich der finanzielle. Die Preussag Noell GmbH wurde zu einer Holding-Gesellschaft umstrukturiert. 2000 wurde der Zweig Wasserbau in eine neue Firma übergeführt, 2004 trennte sich die Preussag von ihren Anlagenbau-Aktivitäten. Neue Eigentümerin des Unternehmens wurde die Babcock Borsig AG, Oberhausen. Am 1. Januar 2007 war Schluss mit dem Stahlbau der Firma Noell.

Teilbereiche und Einzelfirmen nach der Zerschlagung des Unternehmens[Bearbeiten]

  • Babcock Noell ist heute in den Produktbereichen Nuklearservice, Nuklear-, Magnet- und Umwelttechnik weltweit tätig Mit ca. 300 Mitarbeitern, die überwiegend im Ingenieurbereich beschäftigt sind, reicht das Leistungsspektrum von der Entwicklung, Planung, Lieferung und Inbetriebnahme bis zum Betrieb der gelieferten Anlagen und Einrichtungen. Die Bacock Noell gehört heute zur Bilfinger-Gruppe.
  • Im August 2000 wurden die Bereiche Stahlwasserbau der damaligen DSD Dillinger Stahlbau GmbH Saarlouis und der Noell Stahl- und Maschinenbau GmbH Würzburg zusammengeführt und 2004 unter dem Dach der DSD Steel Group als eigenständiges Unternehmen DSD Noell GmbH gegründet. Heute hat sich dieser Betrieb auf Stahlwasserbauausrüstungen in Wasserstraßen, Wehranlagen und Wasserkraftanlagen spezialisiert.
  • Die Firma KRC Umwelttechnik wurde 1999 abgewickelt.
  • Die im Dezember 2000 gegründete Firma Noell Crane Systems (NCS) hatte sich spezialisiert auf den Sonderkranbau und gut am Markt behauptet, bis sie letztlich erst an eine italienische, später an eine französische Firma verkauft wurde und der Name Noell 2005 ausgelöscht wurde.
  • Verblieben ist lediglich ein Verwaltungs- und Planungsbüro mit ca. 100 Beschäftigten der NKM Noell GmbH als sogenanntes Head Office Würzburg.

Kontakt[Bearbeiten]

Babcock Noell GmbH
Alfred-Nobel-Straße 20
97082 Würzburg

ÖPNV[Bearbeiten]

Bus.png Nächste Bushaltestelle: Werk Noell


Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Schäfer: Ein wirtschaftliches Zentrum seit tausend Jahren, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. von Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 382-395, S. 387 (Lithographie um 1855)