Max Mohr

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Max Mohr

Dr. Max Ludwig Mohr (* 17. Oktober 1891 in Würzburg; † 19. November 1937 in Shanghai) zählt zu den bedeutendsten Bühnen- und Romanautoren der Zwischenkriegszeit. Mohr stammte aus einer jüdischen Familie und ging 1934 ins Exil nach Shanghai, wo er drei Jahre später 46-jährig an einem Herzinfarkt verstarb.

Kindheit und Jugend in Würzburg[Bearbeiten]

Max Mohr wurde als Sohn des Malzfabrikanten [1] Leon Mohr und dessen Frau Johanna geboren und verbrachte die ersten 20 Jahre seines Lebens in Würzburg. Die Familie wohnte in einem Haus in der Rottendorfer Straße 1, das heute nicht mehr existiert. Auf dem Königlich Neuen Gymnasium erhielt Mohr eine humanistische Ausbildung. Seine Stärken lagen in den Fächern Mathematik/Physik und Deutsch, er war aber auch ein hervorragender Turner. In Französisch und Geschichte waren seine Leistungen dagegen eher mittelmäßig. Nach dem Abitur in Würzburg meldete er sich freiwillig zu einer einjährigen Militärzeit beim 2. Feldartillerie-Regiment „Horn” und begann gleichzeitig das Studium der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Zum Sommersemester 1911 wechselte er in seinen neuen Studienort München.

1914 wurde er als Infanteriearzt viermal verwundet. Sein Staatexamen bestand er 1917, bevor er von 1917 bis 1919 in englische Kriegsgefangenschaft kam. 1919/20 ließ er sich als Arzt in München nieder. [2]

Wirken[Bearbeiten]

Ab 1920 betätigte sich Max Mohr, zunächst auf einem Bauernhof in Wolfsgrub am Tegernsee, als Schriftsteller. Als solcher befreundete er sich auch mit dem englischen Schriftsteller David Herbert Lawrence.

Max Mohr, der sich selbst als konfessionslos bezeichnete, setzte sein Schreibtalent überwiegend im Bereich schöngeistiger Publikationen ein und wurde vor allem durch seine Theaterstücke einem breiten Publikum bekannt. 1934 wanderte Mohr ohne seine Familie nach Shanghai aus, beendete, abgesehen von einer Neufassung seines Romans „Das Einhorn“, seine schriftstellerische Tätigkeit und arbeitete wieder in seinem ersten Beruf als Arzt. Er starb in Shanghai an einem Herzleiden. [3] [4]

Medizinische Fachliteratur[Bearbeiten]

Max Mohr schrieb in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zwei längere medizinische Abhandlungen. Neben seiner Dissertation ist die Rheumatiker-Fibel eine weitere medizinische Publikation, die recht erfolgreich war und in den 1920er Jahren fünf Auflagen erlebte. Von 1920 bis 1934 war er nicht ärztlich tätig.

Schauspiel und Lyrik[Bearbeiten]

Neben ersten Versuchen im Verfassen von Dramen (1920 „Dadakratie“, 1921 „Gregor Rosso“), wobei er mit der 1922 in München uraufgeführten Komödie „Impressionen im Juni“ (vom Würzburger Stadttheater 1923 gespielt) den größten Erfolg hatte [5], schrieb Mohr am Anfang seiner Autorenkarriere vor allem Gedichte. Stoff dafür boten seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg. Neben den Grabenkämpfen fanden in seinen Texten das Leiden seiner Kameraden und der gefährliche Fronteinsatz, wie im Sonett Spinoza, Eingang in seine Werke.

Werke[Bearbeiten]

Unter anderem verfasste Max Mohr folgende Bücher und Theaterstücke:

  • Venus in den Fischen. Hrsg. von Stefan Weidel, mit einem Brief von D. H. Lawrence und einer Antwort. Juni-Verlag, Mönchengladbach 1927
  • Das Einhorn
  • Das gelbe Zelt (1923)
  • Platingruben in Tulpin (1928)
  • Ramper (1925)
  • Die Karawane
  • Der Arbeiter Esau (1923)
  • Sirill am Wrack (1923)
  • Improvisationen im Juni (1922)
  • Die Welt der Enkel oder: Philemon und Baucis in der Valepp (uraufgeführt 1930 in Würzburg)

Briefwechsel[Bearbeiten]

Veröffentlicht wurden neben seiner Korrespondenz mit Thomas Mann auch Mohrs Briefe aus dem Exil in Shanghai.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Mettenleiter: Selbstzeugnisse, Erinnerungen, Tagebücher und Briefe deutschsprachiger Ärzte. Nachträge und Ergänzungen. Würzburger medizinistorische Mitteilungen 19 (2000), S. 459-524; S. 497 f.
  • Wolfgang Schulz: Würzburg - Shanghai. Das Leben des Max Mohr: Materialien zu einer Biographie. Würzburg heute 55 (1992), S. 15-21
  • Florian Steger unter Mitarbeit von Ralf Beer und Thomas Cronen (Hg.): "Max Mohr (1891-1937) - Korrespondenzen". Jahrbuch Literatur und Medizin, Beiheft 1. Heidelberg 2013.
  • Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466, S. 412-414

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Um 1887 gab es in Würzburg eine Malz-Fabrik Mohr & Adler (Alte Kaserngasse 16).
  2. Andreas Mettenleiter: Selbstzeugnisse, Erinnerungen, Tagebücher und Briefe deutschsprachiger Ärzte. Nachträge und Ergänzungen. Würzburger medizinistorische Mitteilungen 19 (2000), S. 459-524; S. 497b
  3. Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466, S. 412
  4. Andreas Mettenleiter, a.a.O.
  5. Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466, S. 412 f.