Kreuzbergwallfahrt

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Zum Kreuzberg, dem „Heiligen Berg der Franken“ führen traditionell zahlreiche (Fuß-)Wallfahrten aus den Regionen Rhön und Mainfranken. Die größte wird jährlich von der Würzburger Heilig-Kreuz-Bruderschaft in der dritten Augustwoche durchgeführt. Im Gebiet des Landkreises veranstalten zudem Thüngersheim, Ochsenfurt und Kürnach regelmäßig Kreuzbergwallfahrten.

Wallfahrt der Heilig-Kreuz-Bruderschaft Würzburg[Bearbeiten]

Einzug der Wallfahrer in der Semmelstraße

Die Heilig-Kreuz Bruderschaft wurde 1647 gegründet, sie sollte in den Wirren und Unsicherheiten des dreißigjährigen Krieges ihren Mitgliedern eine schützende Gemeinschaft und gegenseitigen Beistand sichern. Dazu zählten sowohl Unterstützung auf der Wallfahrt der Bruderschaft zum Kreuzberg als auch die Zusage, nach dem Tod ein christliches Begräbnis mit einem Seelengottesdienst am Grab des Hl. Kilian zu erhalten. Ziel der Wallfahrt ist es, die Verehrung des Heiligen Kreuzes zu fördern. Die Teilnehmer erhoffen sich ein vertieftes Glaubenserlebnis in der Wallfahrergemeinschaft, ihnen werden auch Sündenablässe zugesagt.

Zeitraum der Wallfahrt ist jährlich in der dritten Augustwoche. Am 19. August (Sebaldstag) versammeln sich die TeilnehmerInnen im Neumünster, der Grabkirche der drei Frankenapostel. Der Überlieferung nach sollen Kilian, Kolonat und Totnan an diesem Ort im Jahr 689 den Märtyrertod gestorben sein. Hier findet die geistliche Einstimmung auf die bevorstehende Wallfahrt statt. Am 20. August um vier Uhr früh begibt sich die Pilgergruppe dann auf den ca. 180 km langen Fußmarsch. Ziel ist der Kreuzberg, der „Heilige Berg der Franken“, wo Kilian einst als Symbol der Christianisierung Frankens ein erstes Kreuz errichtet haben soll.

Vorneweg zieht der Pilgerführer in rotem Talar, mit breitkrempigem Pilgerhut und Pilgerstock. Er ist für die Wahl es Weges und das Marschtempo verantwortlich. Dahinter wird das Pilgerkreuz der Bruderschaft getragen, es folgen die Vorbeter, die Blaskapelle und die Pilgergruppe. Seit jeher wird ein Männerkreuz und ein leichteres Frauenkreuz mitgeführt. Jede und jeder soll die Gelegenheit erhalten, als Geste der Buße ein Stück des Wegs das Kreuz zu tragen. Auf dessen Rückseite ist in Augenhöhe des Trägers / der Trägerin eine Liste von Gebeten eingeschrieben. Verrichtet die Person während des Tragens diese Gebete, werden bestimmte Sündenablässe zugesagt. Alle Wallfahrer dürfen das zugehörige Umhängekreuz auf der Brust tragen. Einst war dieses den Mitgliedern der Bruderschaft vorbehalten. Am Kreuzberg wird es für den Rückweg mit Wacholder und Heidekraut umwickelt.

Am 24. August, nach fünf Tagesetappen von bis zu 60 km, kehren die Wallfahrer nach Würzburg zurück. Dabei werden sie traditionell in der Semmelstraße festlich empfangen. Zu diesem Zweck wird nun schon seit über 350 Jahren die Zwiebelkirchweih veranstaltet. Wartende Angehörige und Schaulustige versammeln sich, die gastronomischen Betriebe bieten kulinarische Versorgung an, insbesondere wird hier traditionell Zwiebelkuchen gereicht, welcher die erschöpften Pilger stärken soll. Von den Angehörigen werden bei der Ankunft Blumensträußchen überreicht und die Prozession zieht weiter zum abschließenden Gebet im Neumünster.

1803 wurde die Wallfahrt im Zuge der Säkularisation untersagt. 1826 jedoch durch König Ludwig I. wieder zugelassen. Bis heute wird die Tradition der Kreuzbergwallfahrt von der Heilig-Kreuz-Bruderschaft fortgeführt.

Thüngersheimer Kreuzbergwallfahrt[Bearbeiten]

Von Thüngersheim führt jährlich am Fest der Kreuzerhöhung (14.9.) eine reine Fußwallfahrt zum Kreuzberg. Insgesamt 150 km werden in vier Tagen zurückgelegt. Die Kreuzbruderschaft Thüngersheim bestand bereits um das Jahr 1700.

Ochsenfurter Kreuzbergwallfahrt[Bearbeiten]

Die Ochsenfurter Kreuzbruderschaft legt bei ihrer Wallfahrt mit 220 km den weitesten Fußmarsch zurück. Die Wallfahrt findet seit 1951 regelmäßig alle zwei Jahre statt, geht aber bereits auf das Jahr 1841 zurück, als in Ochsenfurt eine Filiale der Würzburger Kreuzbruderschaft ins Leben gerufen wurde. Es beteiligen sich hier traditionell auch zahlreiche Personen aus umliegenden Orten.

Kürnacher Kreuzbergwallfahrt[Bearbeiten]

Kürnach begann mit dem Kiliansjubiläum 1989 eine eigene Kreuzbergwallfahrt. Sie wird alle zwei Jahre am ersten Juli-Wochenende durchgeführt. Dabei wird der Hinweg gelaufen, die Rückkehr erfolgt per Bus.

Literatur[Bearbeiten]

Wolfgang Brückner: Die Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön. Echter Verlag, Würzubrg 1997. ISBN 3-429-01939-7

Quellen[Bearbeiten]

  • Wolfgang Brückner: Die Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön. Echter Verlag, Würzubrg 1997. ISBN 3-429-01939-7
  • Kilian. Mönch aus Irland. Aller Franken Patron. Katalog der Sonder-Ausstellung zur 1300-Jahr-Feier des Kiliansmartyriums im Jahr 1989. Hrsg.: Mainfränkisches Museum Würzburg, Haus der Bayerischen Geschichte, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. S. 350ff
  • “Semmelsträßer Zwiefelkirwe.“ in: Merian „Würzburg“, herausgegeben 1972. S. 44