Generalvikar

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Generalvikar Thomas Keßler

Ein Generalvikar (vom Lateinischen „vicarius generalis“, Generalstellvertreter) ist in der römisch-katholischen Kirche der Stellvertreter eines Ortsbischofs und für die diözesane Verwaltung verantwortlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Er leitet das Bischöfliche Ordinariat, die zentrale Verwaltungsstelle des Bistums. Die Aufgabe reicht zurück bis ins Mittelalter, als die Bischöfe für ihre Diözese Archidiakone oder Erzdiakone einsetzten, die mit der Verwaltung des bischöflichen Gebiets beauftragt waren. Sie konnten auch Aufgaben des Bischofs ausüben, seien es liturgische Feiern (beispielsweise Heilige Messen, Andachten, Wallfahrten), das Weihen von Kirchen oder das Einsetzen von Pfarrern.

Amtsvoraussetzungen[Bearbeiten]

Kandidaten müssen Priester sein, nicht jünger als 30 Jahre, den Doktor oder das Lizentiat in kanonischem Recht oder Theologie aufweisen oder in diesen Disziplinen „wirklich erfahren“ sein, wie es in Canon 478 nachzulesen ist. Außerdem soll der Generalvikar „ausgewiesen durch Rechtgläubigkeit, Rechtschaffenheit, Klugheit und praktische Verwaltungserfahrung sein“. Weiterhin darf er mit dem Bischof maximal im fünften Grad blutsverwandt sein. Der Diözesanbischof kann den Generalvikar frei ernennen und abberufen (Canon 477).

Aufgabe und Vollmacht[Bearbeiten]

Der Codex Iuris Canonici (CIC), das kirchliche Gesetzbuch, widmet den Generalvikaren und Bischofsvikaren einen eigenen Artikel (Can. 475-481).

Der Generalvikar „unterstützt den Diözesanbischof bei der Leitung der ganzen Diözese“ (Can. 475,1 CIC) und ist dazu nach Maßgabe des geltenden Kirchenrechts mit stellvertretender ordentlicher Gewalt oder Vollmacht ausgestattet.

In aller Regel ist nur ein Generalvikar zu ernennen, es sei denn, die Größe der Diözese, die Zahl der Einwohner oder andere pastorale Gründe legen etwas anderes nahe. (Can. 475,2 CIC).

Dem Generalvikar kommt kraft Amtes in der ganzen Diözese die ausführende Gewalt zu, die der Diözesanbischof von Rechts wegen hat, um alle Verwaltungsakte erlassen zu können, ausgenommen jene, die sich der Bischof selbst vorbehalten hat oder die von Rechts wegen ein Spezialmandat des Bischofs erfordern. (Can. 479,2 CIC).

Dem Generalvikar kommt also von Amts wegen die Erledigung der allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten zu, wie auch außerdem die Erledigung der Aufgaben, die ihm vom Bischof übertragen worden sind (im Sinne von Can. 479,1 CIC). Die Aufgaben und Amtsbefugnisse des Generalvikars sind also immer auch von der Definition und Delegation des jeweiligen Diözesanbischofs abhängig.

Die Gewalt des Generalvikars erlischt mit Zeitablauf der Beauftragung, mit Amtsverzicht oder mit Abberufung durch den Diözesanbischof. Da der Generalvikar der Stellvertreter des Diözesanbischofs ist, verliert er bei Tod, Verzicht, Versetzung, Absetzung oder Suspendierung des Diözesanbischofs ebenfalls sofort sein Amt (Can 481 CIC).

Liste der Generalvikare im Bistum Würzburg seit 1340 (Auszug)[Bearbeiten]

Amtszeit Name Historische Notizen
1340 — 1357 Hermann von Schildesche
1357 — 1359 Bertoldus zeitgleich Weihbischof im Bistum Würzburg
1401 — 1409 Johannes Ambundi ab 1416 Bischof in Chur und 1418 Erzbischof in Riga
1409 — 1409 Johann Zantfurt ab 1410 Hochschulrektor der ersten Universität
1409 — 1410 Winand Ort von Steeg 1406 Hochschulrektor der ersten Universität
1411 — 1415 Heinrich von Gräfendorf
1416 — 1423 Heinrich von Wechmar
1458 — 1464 Rudolf II. von Scherenberg ab 1466 Bischof von Würzburg
1464 — 1466 Ludwig von Weyers
1486 — 1494 Kilian von Bibra
1494 — 1495 Bartholomäus von der Kere
1495 — 1519 Ehrenfried von Seldeneck
1520 — 1538 Johann von Guttenberg
1541 — 1544 Melchior Zobel von Giebelstadt ab 1544 Bischof von Würzburg
1544 — 1555 Heinrich von Würtzburg
1556 — 1558 Friedrich von Wirsberg ab 1558 Bischof von Würzburg
1558 — 1567 Michel Suppan ab 1583 Dekan und Rektor der Universität
1567 — 1583 Anton Resch in Personalunion Weihbischof in Würzburg
1617 — 1620 Jodokus Wagenhauer ab 1620 Weihbischof in Würzburg
1620 — 1630 Johannes Ridner
1636 — 1666 Johann Melchior Söllner ab 1648 Weihbischof von Würzburg
1667 — 1703 Stephan Weinberger in Personalunion Weihbischof und Generalvikar
1705 — 1735 Philipp Braun Zwischen 1684 und 1700 Professor für Kirchenrecht
1735 — 1746 Johann Martin Kettler
1746 — 1767 Carl Philipp Joseph Zobel von Giebelstadt
1767 — 1780 Karl Friedrich Wilhelm von Erthal
1781 — 1808 Johann Franz Schenk von Stauffenberg ab 1808 vom Papst zum Kapitelsvikar ernannt
1813 — 1821 Joseph Fichtl
1825 — 1836 Adam Joseph Onymus ab 1816 Dogmatikprofessor in Würzburg
1836 — 1838 Friedrich Carl Maria von Bodeck zu Ellgau
1854 — 1870 Johann Valentin von Reißmann ab 1870 Bischof von Würzburg
1871 — 1878 Franz Xaver Himmelstein
1879 — 1892 Johann Joseph Jakob Kuhles
1897 — 1908 Theodor Diem
1909 — 1919 Klemens Valentin Heßdörfer
1919 — 1922 Adam Joseph Dittmeyer
1922 — 1930 Joseph Weidinger
1930 — 1948 Franz Miltenberger
1948 — 1961 Vinzenz Fuchs
1961 — 1981 Justin Wittig
1981 — 1983 Anton Schlembach ab 1983 Bischof von Speyer
1983 — 1996 Heribert Brander
1996 — 2014 Karl Hillenbrand
2015 Thomas Keßler

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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