Bernd Haunfelder

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Dr. Bernd Haunfelder (* 17. Februar 1951 in Würzburg) ist ein deutscher Historiker und Publizist. Er ist ein bundesweit anerkannter Spezialist für die biografische Aufarbeitung des deutschen Parlamentarismus und dessen Parteien sowie Experte für die Geschichte der Stadt Münster.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (r.) zeichnet, stellvertretend für den Bundespräsidenten, Dr. Bernd Haunfelder mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus. Links im Bild: Silke Haunfelder, die Ehefrau des Geehrten

Bernd Haunfelder kam als Sohn des Zahnmediziners und späteren Universitätsprofessors David Haunfelder (1912-1989) in Würzburg zur Welt [1] und besuchte u.a. von 1957 bis 1961 die Goethe-Schule im Stadtteil Frauenland. Nach seinem Studienabschluss als Magister Artium (M.A.) und dem Ersten Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Geschichte und Germanistik (1977) war Bernd Haunfelder von 1977 bis 1978 kurzzeitig Leiter des Ruhrtalmuseums in Schwerte. Im Jahr 1982 wurde er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit der zweibändigen Dissertationsschrift Die politischen Wahlen im Regierungsbezirk Münster. 1848–1867 zum Dr. phil. promoviert. Von 1984 bis 1999 war er Autor der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Bonn.

Dr. Bernd Haunfelder ist seit 1983 Redaktionsmitglied der Westfälischen Nachrichten des Aschendorff-Verlags und verfasst Beiträge zur Lokal- und Zeitgeschichte. Dadurch sowie durch seine zahlreichen Bücher über Münster und das Münsterland, die zumeist ebenfalls bei Aschendorff erscheinen, ist er einem breiten Publikum bekannt und trägt wesentlich zum Renommee des münsterschen Verlagshauses bei.

Zu diesen meist populärwissenschaftlich abgefassten und reich bebilderten Titeln, die zum Teil mehrere Auflagen erlebten, gehören unter anderem Münster und das Münsterland in frühen Photographien. 1841–1900 (1988), Münster. Geschichte in Bildern (1991) – eines der meistverkauften Bücher zur Geschichte der Stadt – und Münster. Die Nachkriegszeit 1945–1965. Bilder und Chronik (1993). Zudem war Haunfelder an Büchern über Clemens August Kardinal von Galen und Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck beteiligt.

Passend zum 60-jährigen Bestehen des Bundeslandes legte er im Jahr 2006 das biographische Handbuch Nordrhein-Westfalen – Land und Leute. 1946–2006 vor. Daneben hat er sich auch um die Erforschung der Geschichte des deutsch-schweizerischen Verhältnisses, vor allem um die Darstellung der humanitären Hilfe der Schweiz in der Nachkriegszeit, Verdienste erworben. Die Bände Kinderzüge in die Schweiz – Die Deutschlandhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes 1946-1956 (2007) und Not und Hoffnung – Deutsche Kinder und die Schweiz 1946-1956 (2008) haben ein großes Echo in der Presse ausgelöst und wurden in mehr als 40 Zeitungen in Deutschland und in der Schweiz oftmals ganzseitig vorgestellt.

Bundesweite Beachtung fanden vor allem Haunfelders biografische Aufarbeitungen des deutschen Parlamentarismus und der Parteien. Diese bescheiden als „biographische Handbücher“ bezeichneten Lebensbilder deutscher Politiker, die sein eigentliches wissenschaftliches Lebenswerk darstellen und die er neben seiner beruflichen Tätigkeit verfasst, sind zumeist im Düsseldorfer Droste Verlag erschienen. Als unverzichtbare Standardwerke gelten Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus. 1849–1867 (1994), Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei. 1871–1933 (1999) und Die liberalen Abgeordneten des deutschen Reichstags 1871–1918 (2004). So stellt Haunfelder in den Biografienbänden Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei 754 Abgeordnete, die zwischen 1871 und 1933 der Reichstagsfraktion des Zentrums angehörten, und in Die liberalen Abgeordneten des deutschen Reichstags 1871–1918 979 Abgeordnete der verschiedenen liberalen Fraktionen vor. Mit dem 2009 veröffentlichten Band Die konservativen Abgeordneten des deutschen Reichstags 1871 – 1918, der 549 Biografien enthält, schloss der Parlamentsforscher seine Reihe biographischer Darstellungen über den kaiserlichen Reichstag ab. [2]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für seine akribische Erforschung der biografischen Grundlagen des deutschen Parlamentarismus wurde Dr. Bernd Haunfelder im Jahr 2006 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. [3]Am 1. Dezember 2011 erhielt er im Zuge der Höherstufung das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Schriften[Bearbeiten]

  • Die politischen Wahlen im Regierungsbezirk Münster. 1848 – 1867, 2 Bände, Dissertation, Münster 1982 (ISBN 3-7923-0483-X)
  • Wahlen und Wahlverhalten im Kreis Warendorf 1848/49. Ein Beitrag zur Frühgeschichte des deutschen Parlamentarismus, Warendorf 1982
  • 150 Jahre Verein der Kaufmannschaft zu Münster von 1835, Münster 1985 (ISBN 3-402-05713-1)
  • als Mitbearbeiter: Preußische Parlamentarier. Ein Photoalbum 1859 - 1867, Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Düsseldorf 1986 (ISBN 3-7700-5134-3)
  • Münster und das Münsterland in frühen Photographien. 1841 - 1900, Münster 1988 (2. Auflage, Münster 1991, ISBN 3-402-05208-3)
  • Phönix aus der Asche. Zum Untergang und Wiederaufbau des Rathauses von Münster, Münster 1988 (ISBN 3-402-05209-1)
  • als Bearbeiter zusammen mit Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867 – 1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch, Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (Band 2), Düsseldorf 1989 (ISBN 3-7700-5151-3)
  • Münster. Geschichte in Bildern, Münster 1991 (3., aktualisierte Auflage Münster 2007, ISBN 978-3-402-05201-3)
  • zusammen mit Ute Olliges und Thomas Pago [Redaktion und Koordination]: Münster. Stadt des Westfälischen Friedens, Berlin, Gütersloh, Leipzig, München, Potsdam und Stuttgart 1992 (ISBN 3-575-22068-9; 5., überarbeitete und aktualisierte Auflage zusammen mit Ute Olliges-Wieczorek, Münster 2008, ISBN 978-3-402-05364-5)
  • Münster. Die Nachkriegszeit 1945 – 1965. Bilder und Chronik, Münster 1993 (ISBN 3-402-05106-0)
  • Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus. 1849 - 1867, Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (Band 5), Düsseldorf 1994 (ISBN 3-7700-5181-5)
  • als Mitverfasser: Die Promenade in Münster. Vom Festungsring zum Grüngürtel. Bilder aus drei Jahrhunderten, Münster 1994 (ISBN 3-402-05107-9)
  • zusammen mit Wolfgang Weikert und Winfried Daut [Red.]: Café Schucan – eine Legende, Münster 1995 (ISBN 3-402-05266-0)
  • zusammen mit Franz-Josef Budde und Gisbert Strotdrees: Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Festschrift, Münster-Hiltrup 1997 (ISBN 3-7843-2864-4)
  • zusammen mit Rolf Schorfheide: Westfalen. Zwei Jahrhunderte in Bildern. Von der preußischen Provinz 1815 bis in die Gegenwart, Münster 1999 (ISBN 3-402-05357-8)
  • Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei. 1871 - 1933. Biographisches Handbuch und historische Photographien, Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (Band 4), Düsseldorf 1999 (ISBN 3-7700-5223-4)
  • als Herausgeber zusammen mit Dorle Neumann: Momente des Jahrhunderts. Ereignisse, Wendepunkte, Persönlichkeiten, Münster 2000 (ISBN 3-402-05262-8)
  • Münster. Wiederaufbau und Wandel, Münster 2000 (ISBN 3-402-05171-0)
  • zusammen mit Markus Schmitz: Humanität und Diplomatie. Die Schweiz in Köln 1940 - 1949, Münster 2001 (ISBN 3-402-05385-3)
  • 25 Jahre Thiekötter-Druck. 125 Jahre Firmen- und Familiengeschichte, Münster 2002
  • zusammen mit Rolf Elsner und Volker Grosse: Haus & Grund – 100 Jahre Bauen & Wohnen in Münster. Haus- und Grundeigentümerverein Münster-Stadt und -Land e.V. , Münster 2003 (ISBN 3-00-012615-5)
  • Die liberalen Abgeordneten des deutschen Reichstags 1871 – 1918. Ein biographisches Handbuch, Münster 2004 (ISBN 3-402-06614-9)
  • zusammen mit Axel Schollmeier: Die fetten Jahre. Münster 1957 bis 1968 in Fotos von Willi Hänscheid, Münster 2004 (ISBN 3-402-06520-7)
  • Stuhlmacher. Ein Haus, ein Name, Erinnerungen, Münster 2004 (ISBN 3-402-06901-6)
  • zusammen mit Axel Schollmeier: Kardinal von Galen – Triumph und Tod. Fotos seiner letzten Lebenstage, Münster 2005 (ISBN 3-402-00395-3)
  • Nordrhein-Westfalen – Land und Leute. 1946 – 2006. Ein biographisches Handbuch, Münster 2006 (ISBN 3-402-06615-7)
  • zusammen mit Wibke Becker und Axel Schollmeier: Die Wunderjahre. Münster in Fotos 1950 bis 1958, Münster 2006 (ISBN 978-3-402-00424-1 oder ISBN 3-402-00424-0)
  • zusammen mit Edda Baußmann und Axel Schollmeier: „Ein wunderherrliches Werk“. Die Feierlichkeiten zum Wiederaufbau des Domes in Münster 1956, Münster 2006 (ISBN 978-3-402-00428-9 oder ISBN 3-402-00428-3)
  • Kinderzüge in die Schweiz. Die Deutschlandhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes 1946 - 1956, Münster 2007 (ISBN 978-3-402-12730-8 oder ISBN 3-402-12730-X)
  • Not und Hoffnung. Deutsche Kinder und die Schweiz 1946 – 1956, Münster 2008 (ISBN 978-3-402-12776-6)
  • zusammen mit Barbara Rommé und Axel Schollmeier: Ein Geschenk an die Stadt: Das Rathaus in Münster. Der Wiederaufbau 1948 – 1958, Münster 2008 (ISBN 978-3-402-12778-0)
  • Die konservativen Abgeordneten des deutschen Reichstags 1871 – 1918. Ein biographisches Handbuch, Münster 2009 (ISBN 3-402-12829-2 oder ISBN 978-3-402-12829-9)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Haunfelder: Haunfelder, David. In ders.: Nordrhein-Westfalen – Land und Leute. 1946 – 2006. Ein biographisches Handbuch. Aschendorff, Münster 2006, S. 192/193
  2. N.N: Haunfelder überreicht neues Werk mit Biografien aus dem kaiserlichen Reichstag an Regierungspräsident Dr. Paziorek, Pressemitteilung der Bezirksregierung Münster vom 27. November 2009 (mit Foto); abgerufen am 13. Dezember 2009
  3. Johannes Loy: Grundlagen der Demokratie erforscht, in: Westfälische Nachrichten vom 21. Februar 2006 (Online-Fassung)

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Loy: Grundlagen der Demokratie erforscht, in: Westfälische Nachrichten vom 21. Februar 2006 (Online-Fassung)

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