Lindleinsmühle

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Das Hochhaus an der ehemaligen Lindleinsmühle

Die Lindleinsmühle ist ein Stadtbezirk und gleichzeitig Stadtteil im Würzburger Nordosten, der in den 1960er Jahren entstand und von Zeilenbauweise und Hochhausbau geprägt ist. Zuvor ist die Geschichte des kleinen Bezirks von der Landwirtschaft und drei Mühlen bestimmt. Die Lindleinsmühle hat gegenwärtig 4.914 Einwohner (Stand: 31.12.2015). [1]

Lage des Stadtbezirks Lindleinsmühle in Würzburg

Lage[Bearbeiten]

Die Lindleinsmühle ist ein nordöstlicher Stadtbezirk. Es umfasst ein Gebiet von 0,94 Quadratkilometern und ist damit der kleinste Würzburger Bezirk. Die Form ist keilförmig zwischen B19 und Versbacher Straße.

Benachbarte Stadtbezirke sind im Norden das Versbach, im Westen und Süden Grombühl und im Westen Lengfeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Mühlrad erinnert an die ehemalige Mühle
Ansichtskarte Lindleinsmühle

Ländliche Nutzung[Bearbeiten]

Die älteste Erwähnung des Gebietes wird um 779 datiert (aus der Zeit Karls des Großen) und ist Teil einer Beschreibung der Würzburg-Heidingsfelder Ortsmarkengrenze. Die Gemarkungsgrenze verlief zur Flurabteilung „Meile” an der Alte Rimparer Straße, dem „Diotuueg” (Leuteweg). Um 1586 hat der Müller der Tauberzeller Mühle (später Straubmühle) zum Schutz gegen die Wildwasser der Pleichach einen See an seiner Mühlmauer angelegt. Zu dieser Zeit bestand das Tal aus Wiesen, an den Hängen befanden sich Felder und Weingärten. Insgesamt drei Mühlen befanden sich in dem Gebiet. An der nördlichen Gemarkungsgrenze stand die Tauberzeller Mühle oder Straubmühle, zentral gelegen die Lindleinsmühle und die etwas südlicher gelegene Neumühle.

Städtebauliche Erschließung[Bearbeiten]

Die Stadt benötigte in den 1960er Jahren dringend neuen Wohnraum für die stetig wachsende Bevölkerung und als Ausgleich für die zerstörte Innenstadt. Man wollte das Abwandern von Bevölkerung in die Randgemeinden um Würzburg verhindern. Daher wurde das weitgehend unbebaute Gebiet entlang der Pleichach zwischen Grombühl, Versbach und Lengfeld als Wohngebiet vorgesehen: Aufgrund der topographischen Lage Würzburgs gab es kaum geeigneten Alternativen. Bebaut waren bis dahin nur der Hang zur heutigen Uniklinik und ein Teilstück unmittelbar an der Versbacher Straße. Die ersten Pläne wurden 1960 gemacht und am 20. September 1961 vom Stadtrat abgesegnet. [2] 1963 wurde mit der Erschließung der Lindleinsmühle begonnen. Die Bautätigkeiten übernahmen unter anderem das St.-Bruno-Werk (im Bereich Bei der Neumühle), die Gemeinnützige Baugesellschaft für Kleinwohnungen mbH (heute Stadtbau Würzburg GmbH; u.a. Am Schwarzenberg, Bayernstraße, Hessenstraße, Pfalzstraße, Schwabenstraße) und die Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft mbH Neue Heimat Bayern. Ab 1964 entstanden hauptsächlich Wohnblöcke und Hochhäuser: Der erste Abschnitt umfasste die Wohnanlagen zwischen Franken-, Bayernstraße und Versbacher Straße. Bezogen wurden die Häuser ein Jahr später. 1965 folgte der Abschnitt Am Schwarzenberg, Ostpreußenstraße und der nördliche Bereich der Schwabenstraße. Ein Jahr später wurde die Baugenehmigung für die südliche Schwabenstraße und die Frankenstraße inklusive Stichstraßen erteilt. Hier entstanden vor allem Einzel- und Reihenhäuser. 1970 begannen schließlich die Bauarbeiten in der Hessenstraße, wobei der Bebauungsplan ein Jahr später abgeändert wurde (im Hinblick auf Parkplätze). [3] Anfangs waren auf 56 ha Fläche Wohnungen für 4000 Menschen geplant, 1967 jedoch bereits für 5400 Einwohner. Andere Quellen sprechen gar von 8000 Menschen. [4]

Das Viertel bezogen Menschen aus anderen Stadtteilen und dem Umland, aber auch Vertriebene des 2. Weltkriegs sowie im Laufe der Jahre verstärkt Spätaussiedler und Russlanddeutsche. Bis 1966 bestand die namensgebende Lindleinsmühle inmitten der Neubauten, musste dann aber einem 1968 eröffneten, 19-stöckigen Hochhaus der Rhein-Main-Bauträger AG (Richtfest war am 19. Januar 1968) weichen. Am 19. Juni 1971 wurde die Kirche St. Albert (Lindleinsmühle) eingeweiht.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk wurde nach der Lindleinsmühle benannt, die an der heutigen Schwabenstraße stand und im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Am ehemaligen Standort der Mühle steht gegenwärtig das Haus Lindleinsmühle: Es handelt sich dabei um ein Hochhaus mit 19 Geschossen und etwa 500 Bewohnern in 157 Wohnungen. Bis 1990 erinnerte noch ein in Originalgröße nachgebautes Wasserrad an der Schmalseite des Hochhauses an die Lindleinsmühle, ab 1990 ein an der Fassade aufgemaltes Wasserrad. Die Mühle selbst hatte ihren Name von der Markung Lindlein, da in diesem Bereich der Pleichach viele Linden wuchsen. [5]

Stadtteilentwicklung[Bearbeiten]

Grünanlage zwischen der Schwabenstraße und dem Albertus-Magnus-Weg

Der Stadtteil hat heute einen überdurchschnittlichen Anteil Senioren unter den Bewohnern, aber auch zahlreiche junge Familien. Die Stadtbau Würzburg hat in den letzten Jahren viele der Gebäude grundlegend saniert. Bis 2011 gestaltete diese auch die Grünanlage am Albertus-Magnus-Weg mit dem Ententeich neu.

Mit Claus Köhler hat die Lindleinsmühle einen eigenen Stadtteilbeauftragten. Köhler hat in Kooperation mit Patricia Mussoni (Kath. Kinderhaus St. Albert) und Petra de Marche (Kinderhaus Bunter Drache) einen 44-seitigen Familienwegweiser für die Lindleinsmühle herausgebracht. Es handelt sich dabei um eine Broschüre, die den Bürgerinnen und Bürgern in der Lindleinsmühle von Kindern bis Senioren, einen Überblick gibt über Freizeit- und Vereinsangebote, sowie Angebote von Pfarreien und sozialen Einrichtungen. [6]

„Lindleinsmühle - Lebenswert“ (seit 2004)[Bearbeiten]

Im Stadtteilprojekt „Lindleinsmühle - Lebenswert” setzen sich seit 2004 insbesondere junge Familien des Stadtteils für die Steigerung der Lebensqualität im Viertel ein. Initiiert wurde die Aktion von der Pfarrei St. Albert. Ziele des Projektes sind die Steigerung der Lebensqualität im Stadtteil, die Förderung der generationsübergreifenden Kommunikation, integrative Maßnahmen, die Stärkung der Identifikation mit dem Stadtteil und die stärkere Vernetzung und Bekanntmachung der vielfältigen Angebote, Aktionen und Einrichtungen der Lindleinsmühle. Sie konnte bereits viele Erneuerungen bewirken bzw. mitgestalten (z.B. Umgestaltung des Kirchplatzes, Brunnenverschönerung, Veranstaltungen).

Soziale Stadt Lindleinsmühle (seit 2015)[Bearbeiten]

Im Juni 2015 wurde die Lindleinsmühle als dritter Würzburger Stadtbezirk - nach Heuchelhof und Zellerau - in das Bund-Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen. Die erste zugehörige Bürgerwerkstatt fand am 2. Februar 2016 statt. [7] In einer zweiten Bürgerwerkstatt am 8. Juni wurden erste Ergebnisse präsentiert. [8]

► Städtische Informationen zum Projekt

Einrichtungen[Bearbeiten]

Gustav-Walle-Schule
Jugendzentrum Zoom
  • Gustav-Walle-Schule (Grund- und Mittelschule), Schwabenstraße 12
  • Wolffskeel-Realschule, Frankenstraße 201
  • Jugendzentrum Zoom, Schwabenstraße 12
  • Erziehungsberatungsstelle Lindleinsmühle (für die Stadtteile Lindleinsmühle, Lengfeld und Versbach), Ostpreußenstraße 14
  • Hans-Sponsel-Haus, Senioren- und Pflegeheim, Frankenstraße 195
  • Hallenbad Lindleinsmühle, Schwabenstraße 12
  • Städtisches Kinderhaus Bunter Drache, Ostpreußenstr. 14
  • Kath. Kinderhaus St. Albert mit Spiel- und Krabbelstube, Frankenstr. 21 bzw.13

Freizeit und Erholung[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Sommerfest St. Albert
Katholische Kirche St. Albert

Religion[Bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Die Versbacher Straße durchquert das Wohngebiet in Richtung Versbach und Rimpar. Östlich wird das Viertel von der B 19 begrenzt. Eine Zufahrt besteht am Industriegebiet Lengfeld Nord sowie am Greinbergknoten, der sich im Süden an die Lindleinsmühle anschließt. Dort kreuzen die Bundesstraßen 8 und 19. Durch den Stadtteil verläuft der Main-Werra-Radweg.

ÖPNV[Bearbeiten]

Zur Lindleinsmühle fahren die Buslinien 12 (Busbahnhof-Versbach), 21 (Busbahnhof-Lengfeld) und 24 (Grombühl-Lindleinsmühle).

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Linus Dietz, Gustav-Walle-Schule (Hrsg.): Gustav-Walle-Schule 1967-2007. Zur Entwicklungsgeschichte des Würzburger Stadtteils Lindleinsmühle. Würzburg, 2007, Eigenverlag.
  • Katholisches Pfarramt St. Albert (Hrsg.): 40 Jahre Pfarrei St. Albert - Würzburg Lindleinsmühle - 1967-2007. Würzburg, 2007.
  • Wolfgang Ruß: Lindleinsmühle, ein neuer Stadtteil. Zulassungsarbeit mit Bebauungsplänen im Anhang. Würzburg, 1977.

(im Bestand der Universitätsbibliothek)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information der Statistikstelle Stadt Würzburg
  2. Linus Dietz, Gustav-Walle-Schule (Hrsg.): Gustav-Walle-Schule 1967-2007. Zur Entwicklungsgeschichte des Würzburger Stadtteils Lindleinsmühle. Würzburg, 2007, S. 8
  3. Wolfgang Ruß: Lindleinsmühle, ein neuer Stadtteil. Würzburg, 1977, S. 4
  4. Katholisches Pfarramt St. Albert (Hrsg.): 40 Jahre Pfarrei St. Albert - Würzburg Lindleinsmühle - 1967-2007. Würzburg, 2007, S. 47
  5. Linus Dietz, Gustav-Walle-Schule (Hrsg.): Gustav-Walle-Schule 1967-2007. Zur Entwicklungsgeschichte des Würzburger Stadtteils Lindleinsmühle. Würzburg, 2007, S. 10.
  6. Wuerzburg.de: Familienwegweiser für die Lindleinsmühle
  7. Main-Post: „Damit die Lebenssituation besser wird.“ (27. Oktober 2015)
  8. Main-Post: „Viele Ideen für die Lindleinsmühle“ (3. Februar 2016)

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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